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Die Old-Time-Rampensau

Pokey LaFarge begeistert auf seiner Solotour in Heidelberg.

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Pokey LaFarge - Manic Revelations Tour 2018 Pokey LaFarge. Bildrechte: Nate Burrell

Der Mann ist eine echte Rampensau. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn habe er noch tief geschlafen verrät Pokey LaFarge in einer seiner Ansagen. Aber als er dann um Punkt 22.00 Uhr am Montagabend auf der Bühne des Heidelberger Karlstorbahnhofes das Konzert eröffnet hat, war er hellwach und temperamentvoll von Anfang an.

Es ist das dritte Mal, dass wir den Mann aus St.Louis mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Blues, Ragtime, Swing und Hillbilly sehen. Und er ist zwar immer derselbe, aber es sind sehr unterschiedliche Auftritte. Im Sommer 2016 brilliert er im ausverkauften Paradiso, unterstützt von einer opulent besetzten Band, mit einer perfekten, fröhlichen und sehr unterhaltsamen Performance. Anfang dieses Jahres im Frankfurter „Bett“ war es eine kleinere Bandbesetzung. Es war wieder ein tolles Konzert, das aber auch dadurch geprägt war, dass Multi-Instrumentalist Ryan Koenig, der in der Band als Hillbilly-Counterpart zum Midwest-Großstädter Pokey agiert, wegen eines schweren Verkehrsunfalls fehlte. Für seine Behandlung wurde sogar während des Konzerts gesammelt, und man spürte wie sehr sich Pokey um den Mitmusiker sorgte.

Alte und neue Songs

Nun ist Koenig mittlerweile von seinen Verletzungen genesen und steht in den USA schon wieder auf der Bühne. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum Pokey nun lockerer als je zuvor auf der Bühne agiert. Auch äußerlich ist er verändert, trägt sein Haar nicht mehr gar zu kurz und nach hinten frisiert, sondern er trägt es offen mit Stirnlocken, dass lässt ihn noch nahbarer, aber auch noch frecher erscheinen. Das Publikum spürt und goutiert das, und Pokey selber merkt an, wie positiv sich die Publikumsreaktionen wiederum auf seine Performance auswirken.

Er spielt an diesem Abend einige bekannte Songs wie den „La La Blues“, „Something In The Water“, „Central Time“ oder „Josephine“, aber auch einige neue Songs, die er, so seine Ansage, live ausprobieren will, um sie dann im Januar im Studio aufzunehmen. Voller Spielfreude bearbeitet er seine Archtop-Gitarre, schlägt sie hart an und holt alles aus dem Instrument aus. Und aus sich. Immer wieder tritt er neben das Mikrofon und singt a-capella mit dem Publikum. So hat er die Leute schnell im Griff, wobei die gut 150 Zuschauer im Karlstorbahnhof ohnehin nicht erst erobert werden müssen. Wie man an der Kleidung – Schiebermütze, Westen, Taschenuhren- sehen kann, sind eine ganze Reihe „Hardcore-Fans“ erschienen. Aber auch die anderen begeistert er durch seine humorvolle Performance.

Der Künstler gewinnt an Reife

Wobei humorvoll nicht mit Klamauk zu verwechseln ist. Einmal an dem durch gegenseitige Wertschätzung – Pokey äußert sich immer wieder lobenswert über das Publikum, das ihn wiederum begeistert durchs Konzert trägt – geprägten Abend, kommt es kurz zu Irritationen zwischen dem Sänger und einem Teil des Publikums. Ein kleiner, sehr amüsierwilliger Teil des Publikums lacht an einer Stelle, wo der Sänger gar nicht witzeln wollte. Höflich aber bestimmt beharrt Pokey darauf, hier keinen Joke gemacht zu haben.

Denn bei allem Humor: Pokey LaFarge ist kein Hillbilly-Comedy-Act, er ist ein feiner Songwriter und Interpret dessen Idiom die Old Time Music ist. Und spätestens seitdem er auf seinem Album „Manic Revelations“ sich mit aktuellen zeitkritischen Fragen wie Rassismus und dem Verlust des amerikanischen Glücksversprechens beschäftigt hat, ist er als Künstler noch einmal gewachsen. Seine Performance an diesem Abend wirkt denn auch bei aller unbefangenen Spielfreude, die er immer noch ausstrahlt, wieder ein Stückchen reifer als beim letzten Mal. Auch das trägt zur Begeisterung des Publikums bei.

Neues Album angekündigt

Und so wird Pokey auch an diesem nicht ohne Zugaben von der Bühne gelassen und das Publikum tritt zufrieden den Heimweg an. Hinter sich einen absolut überzeugenden Solo-Auftritt, vor sich die Aussicht auf ein neues Pokey-Album. Was will der Pokey-Fan mehr?

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Über Thomas Waldherr (516 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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