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Neil Young: Young Shakespeare

Neil Young am 22. Januar 1971 im Shakespeare Theatre, Stratford in Connecticut.

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Neil Young - Young Shakespeare Neil Young - Young Shakespeare. Bildrechte: Reprise Records

Vor mehr als 50 Jahren wurden diese Aufnahmen gemacht und sie sind auch heute noch absolut hörenswert: Mit Young Shakespeare greift Neil Young tief in seine Schatzkiste und fördert einen historischen Mitschnitt von 12 Songs zutage, bei denen er sich nur mit Akustikgitarre, Piano und Mundharmonika begleitet, aufgenommen am 22. Januar 1971 im Shakespeare Theatre, Stratford, Connecticut. Die Aufnahmen dieser Solo-Performance zählen zu den ältesten bekannten Konzertmitschnitten Youngs.

Schon beim Hören des Openers „Tell Me Why“ ist man überrascht angesichts der überwältigen Soundqualität der Aufnahmen, die immerhin vor mehr als fünf Jahrzehnten entstanden und dennoch frisch, transparent und pur klingen. Eine tolle Arbeit von Produzent John Hanlon, die er hier bei der Rekonstruktion der analogen Originalbänder leistete. Young selbst ist voll des Lobes: „Das Ergebnis ist eine der am reinsten klingenden akustischen Darbietungen, die wir im Archiv haben.“ Und: „Young Shakespeare‘ ist ein ganz besonderes Ereignis. Meinen Fans sage ich, es ist mein bestes aller Zeiten“, lässt sich Neil Young vollmundig zitieren.

Ob es wirklich „das“ Beste ist, wird jeder Fan angesichts des gewaltigen musikalischen Outputs des Künstlers vielleicht anders beantworten, aber eines ist sicher: „Young Shakespeare“ ist ein einzigartiges historisches Dokument seiner Zeit, in hervorragender aufbereiteter Aufnahmequalität. Und man stellt fest, dass sich Young’s Stil, die Art und Weise wie er singt und wie er mit seiner Musik umgeht, über die Jahre trotz allem Ausprobierens, des Experimentierens in und mit den Genres, trotz rockender Bandauftritte, trotz Herumspielen mit Elektrosounds, seinen vielen solistischen Country- und Akustikausflügen, nur sehr unwesentlich veränderte und er schon damals einen soliden Grundstein für seine langjährige Karriere legte. Young ist immer mehr Country als Rocker! Über vierzig Jahre später konnte ich es selbst miterleben, wie Young – nur umringt von zahlreichen akustischen Gitarren, eine ganze Stunde lang seine populären Hits entschlackt darbot und ganz allein auf der Bühne ein sehr intimes Set zwischen Country & Americana ablieferte. Dieses Gefühl müssen auch die Zuhörer schon 1971 im Shakespeare Theatre gehabt haben.

Mit „Old Man“, „The Needle And The Damage Done“, „A Man Needs A Maid“ und „Heart Of Gold“, enthält das Album einige Tracks, die erst über ein Jahr darauf auf Youngs Klassikeralbum „Harvest“ (1972) veröffentlicht wurden und hier rein akustisch zu hören sind. Eine sehr reduzierte, intime Performance, die den wortkargen Kanadier auch (fast schon) in Plauderlaune zeigt, indem er einige Songs zwar ernsthaft, aber in durchaus humorvoller Weise ankündigt. Durch diese Verknüpfung kommt auch eine stimmige Konzertatmosphäre auf, als säße man mitten unter den Zuhörern im Saal.

Sehr schön ist die Version von „Helpless“. Während das Lied zuvor auf dem „Deja Vu“ Album von CSNY in einer doch sehr wehklagenden Fassung erschien, ist es hier zwei Jahre danach von Young solistisch und nur mit „Wandergitarren“-Begleitung und ohne den „irritierenden“ Harmoniegesang von Crosby, Still und Nash viel freundlicher im Sound. Auch „Ohio“, einer der bekanntesten und regierungs-kritischen Protestsongs der Welt über das Kent-State-Massaker, wurde bereits im Juni 1970 ebenso von CSNY erstmals als Single mit vollem Instrumentarium veröffentlicht. Mit der Akustikaufnahme klingen die Worte Young’s noch viel eindringlicher, anklagender, weil nichts mehr davon ablenkt: „Tin soldiers and Nixon coming. We’re finally on our own. This summer I hear the drumming, Four dead in Ohio.“ Als Kontrast folgt das rhythmusbetonte „Dance Dance Dance“, mit viel „Boom Boom“. Dann setzt sich der Kanadier ans Klavier, spielt „A Man Needs A Maid“ im Medley mit einem seiner heute wohl populärsten Titel „Heart Of Gold“.

Das Konzert wurde von Regisseur Wim J. van der Linden für eine Ausstrahlung im deutschen Fernsehen gefilmt, war jedoch bis heute nie öffentlich erhältlich. Eine Standalone-DVD des Konzertes kann exklusiv über den The Greedy Hand Store bei NYA bezogen werden. Eine Deluxe-Boxset-Edition mit Vinyl, CD und der DVD wird ebenfalls über den NYA Greedy Hand Store und im Handel erhältlich sein.

Fazit: „Young Shakespeare“ ist ein wirkliches Zeitdokument in hervorragender Soundqualität. Die fünfzig Jahre seit der Aufnahme konnten den Songs nichts anhaben. Im Gegenteil! Die Reduktion auf nur ein Instrument neben der markanten Gesangsstimme von Neil Young macht die Songs in ihren Botschaften eindringlicher, intimer. Ein guter Song bleibt ein guter Song, auch ohne breites Instrumentarium. Für diese Scheibe ist immer ein Platz frei im Plattenregal!

Neil Young – Young Shakespeare: Das Album

Neil Young - Young Shakespeare

Titel: Young Shakespeare
Künstler: Neil Young
Veröffentlichungstermin: 26. März 2021
Label: Reprise Records
Vertrieb: Warner Music
Formate: CD, Digital, Vinyl
Gesamtlänge: 144:06 Min.
Tracks: 12
Genre: Americana, Rock

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Trackliste: (Young Shakespeare)

01. Tell Me Why
02. Old Man
03. The Needle And The Damage Done
04. Ohio
05. Dance Dance Ddance
06. Cowgirl In The Sand
07. A Man Needs A Maid & Heart Of Gold
08. Journey Through The Past
09. Don’t Let It Bring You Down
10. Helpless
11. Down By The River
12. Sugar mountain

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Über Andreas Weihs (93 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.