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„Ich habe mich doch ziemlich der Musik verschworen“

Der New Country-Shootingstar Alina Sebastian im Interview. Am 25. Januar live in der Darmstädter Americana-Reihe.

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Alina Sebastian Alina Sebastian. Bildrechte: Niklas Herzog

Alina Sebastian ist der Shootingstar 2023 der deutschen Country- und Americana-Szene. Mit ihrem Album „Eyes of the Highway“ hat die 25-jährige für ordentlich Furore gesorgt. Kraftvolle Produktionen mit starkem Gesang, vielseitiger Instrumentierung und das Gefühl von Freiheit, immer mit einer Prise Neugierde, prägen das Album der Singer-Songwriterin, die 5-fach mit dem Deutschen Rock & Pop Preis ausgezeichnet worden ist. Am Donnerstag, 25. Januar tritt sie nun erstmals mit ihrer Band in der Darmstädter Americana-Reihe auf. Ein guter Anlass, um durch ein Interview mehr über sie und ihre Musik zu erfahren. Thomas Waldherr hat für Country.de mit ihr gesprochen. Er hat Alina Sebastian am Telefon in Spanien erwischt. In der Nähe von Alicante hat sie ein paar Urlaubstage verbracht, um Kraft und Sonne für ihre Konzerttermine zu tanken.

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Country.de: Wann hast Du zum ersten Mal Countrymusik gehört? Weißt Du noch, was das war?

Alina Sebastian: Ich bin groß geworden mit Shania Twain, das hat mein Papa gerne gehört, später kam dann als ich 13 Jahre alt war Taylor Swift dazu. Aber das erste Mal bewusst Countrymusik habe ich mit 17 gehört. Ich stehe seit ich 13 bin auf der Bühne und schreibe Stücke und spiele Gitarre dazu. Das ging damals noch gar nicht fest in eine Richtung. Und dann sagten mir die Leute, dass meine Stimme nach Country klingt. Und da habe ich mir gedacht „Was ist eigentlich Country“ und habe bei Spotify eine Playlist mit aktueller Countrymusik angehört. Und da ist mit mir total viel passiert. Da habe ich gemerkt: Genau so soll meine Musik klingen. Da war es um mich geschehen.

Welches sind Deine wichtigsten musikalischen Einflüsse?

Ich glaube schon, dass Einflüsse von Shania Twain und Taylor Swift immer da sein werden, aber das ändert sich immer wieder ein bisschen. Ich bin im Moment ein großer Fan von Ashley Cooke. Und wer mich auch schon ganz früh begleitet hat war Kelsea Ballerini. Aber ob sie wirklich hörbar einen Einfluss auf mich hat, weiß ich nicht. Ich hatte eigentlich schon immer meinen eigenen Stil und hab es irgendwie einfach gemacht. Es gibt also Künstler*innen, die ich cool finde und gerne höre, aber ich könnte jetzt gar nicht sagen, dass die auch meine Arbeit wirklich beeinflussen.

Wie war das damals als Du erstmals mit Countrymusik auf der Bühne gestanden hast?

Das ist eigentlich eine total traurige Geschichte (lacht). Ich habe zwar schon mit 17 gewusst, wie es klingen soll, aber das hat dann auch dazu geführt, dass ich gesagt habe, ich studiere Musikproduktion, weil mir dabei keiner helfen konnte und ich das auch lieber selber machen wollte. Ich habe dann erstmal keine Band gehabt und gemerkt, dass es schwierig für mich ist, Schlagzeug zu arrangieren, wenn ich kein Schlagzeug spielen kann. 2019 habe ich dann zwei Kommilitonen gefragt, einen Gitarristen und einen Schlagzeuger, mit mir meine Songs zu arrangieren, so fing das eigentlich an. Da dachte ich ja auch noch für Countrymusik gibt es in Deutschland keinen Markt; und ich fragte mich, ob ich die Musik nicht lieber poppig gestalten sollte. Aber dann habe ich beim Proben gemerkt, wenn es in die Country-Richtung geht, gefällt es mir am besten. Und meine Band hat dann auch gesagt, dass das zu mit passt. Ja und dann Ende 2019 der erste Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt in Hamm, rein akustisch. Und dann haben wir Anfang 2020 noch in einem Showcase der Hochschule gespielt und dann kam Corona. In der Zeit hat uns der Gitarrist verlassen und wir haben Duo-Auftritte gehabt. Im Sommer 2021 habe ich dann endlich einen neuen Gitarristen gefunden, bei dem ich wusste, der passt. Der erste Auftritt in Countrybesetzung war dann Ende Juni 2021. Und das war total cool. Es war so ein Open Air in Hamm, es war komplett voll und das Feedback war extrem toll. Ich habe mal eine Zeit lang in Hamm gewohnt und da kannten mich viele noch solo und sagten wie toll sich das entwickelt hätte und wie sehr das zu mir passen würde. Das war ein schönes Erlebnis und seitdem arbeiten wir daran, dass alles noch viel besser klingt.

Welche Themen sind für Dich so wichtig, dass Du sie in Deinen Songs behandeln willst?

Ich glaube es ist mir wichtig, Songs zu schreiben, die die Menschen bestärken, ihren Träumen nachzugehen. Ich bin ja auch immer so eine Träumerin gewesen und das hat ja auch immer alles geklappt und funktioniert. Irgendwie bin ich darum ja auch immer ein bisschen unkonventioneller unterwegs, diese Rastlosigkeit, um die sich ja auch mein Album dreht. Keine Angst vor Veränderungen zu haben. Das sind die Themen, die mich beschäftigen und das gibt es ja in vielen unterschiedlichen Situationen im Leben. Grundsätzlich kann aber alles im Song landen. Das ist wie Tagebuch schreiben. Wenn mir was einfällt, dann schreibe ich es auf und dann kann es später einmal unterwegs sein, dass daraus ein Song reift.

Kannst Du denn dann hauptsächlich nur über etwas schreiben, was Du selbst erlebt hast oder kannst Du auch einfach über den Lauf der Dinge oder die Schwierigkeiten in der Welt schreiben?

Klar schreibe ich über Dinge, die mich auch persönlich getroffen haben, aber es ist natürlich auch dieser Weltschmerz da, den, so glaube ich, alle Künstler*innen haben. Wobei ich keine Weltverbesserungslieder schreiben möchte. Meine Haltung fließt ganz selbstverständlich in die Songs ein, so wie auf meinem Album, aber das steht nicht im Vordergrund, ich will nicht belehren.

Wie sieht Dein Arbeitsprozess aus? Was ist zuerst da: Text oder Musik?

Eigentlich der Text. Es hilft mir total, da musikalisch einen Zugang zu finden. Da geht es dann auch recht schnell, einen Song zu Ende zu stellen. Andersherum geht es irgendwie auch. Es kommt schon vor, dass ich irgendwas vor mich hinklimpere und dann feststelle „oh, das muss ich im Kopf behalten“ und dann kommt der Text dazu, das ist aber recht selten.

Was sind die Vorzüge und die Nachteile von Solo oder mit Band zu spielen?

Ich habe acht oder neun Jahre nur solo gespielt. Und dann kam die Band. Das war schon eine Umstellung, das alles für eine Band zu organisieren. Aber auch jetzt spiele ich noch einige Solo-Konzerte oder im Duo. Ich versuche aber natürlich so viel Konzerte wie möglich mit der Band zu spielen. Bei der Band bin ich natürlich verantwortlich für das Ganze und wie die Mutti (lacht) und schaue da auch, ob alle das haben, was sie brauchen. Das ist zum einen natürlich stressiger als Solo, aber dafür auch mehr Highlight, mehr Freude auf der Bühne mit den Anderen zusammen zu spielen. Und mehr Menschen auf der Bühne bedeutet auch mehr Unterstützung beim Aufbau etc. Bei Solokonzerten ist der Vorteil, dass ich mich um nichts kümmern muss, außer um mich selbst. Leider ist es halt oftmals finanziell lukrativer solo zu spielen. Es hat beides Vor- und Nachteile, das kommt auch immer ein bisschen auf die Location an. Ich hatte letztes Jahr ein Solo-Konzert in NRW, das war richtig krass. Das Publikum war total aufmerksam und die Stimmung war gut und ich habe viel zu den Songs erzählt. Die haben mitgesungen aber auch total gut zugehört. Solo kann man die Menschen in der richtigen Location manchmal noch stärker emotional erreichen, in der Bandformation stärker mitreißen.

Hast Du einen Karriereplan? Da möchte ich mal hin oder das möchte ich erreichen?

Ja schon. Ich habe schon ein paar Ziele, aber versuche die nicht zu sehr und zu oft auf dem Schirm zu haben, denn manchmal ergeben sich auch einfach Dinge. Ein Ziel ist es natürlich, ganz entspannt von der Musik leben zu können, Konzerte zu spielen, die einen ganz gut durch den Monat bringen. Ich versuche aber dann schon, die Mischung zu erhalten, dass ich das mache, was ich liebe, und nicht allzu gefällig zu denken. Aber trotzdem gefällig genug, um damit Erfolg zu haben. Was ich mir total gut vorstellen kann zurzeit, das sind Clubtouren im 400er-Bereich. Die aber auch sicher zu einem guten Preis ausverkauft sind. Ich habe letztes Jahr „Sons Of The East“ gesehen, das ist eine australische Folkband, die machen jedes Jahr eine Welt-Tour. In Worpswede habe ich die in so einem 400er-Club gesehen und es war ausverkauft und die Stimmung war extrem positiv. Es waren nicht zu viele Leute da und auch nicht zu wenig. Und dadurch entstand ein Gefühl der Nähe und der emotionalen Tiefe und ich dachte mir, das ist genau das, was ich einmal machen möchte. Aber gegen Stadion habe ich grundsätzlich auch nix (lacht), es kann ruhig größer werden.

Du studierst Musikproduktion, Du schreibst Lieder, trittst live auf. Dass ergänzt sich hervorragend. Gibt es auch eine Alina, die gerne mal ohne Musik auskommt? Wenn ja, verrätst Du uns, womit Du Dich dann beschäftigst?

Ich glaube nicht (lacht). Ich verbringe schon mal Zeit mit Freunden, aber die kenne ich auch durch die Musik. Oder ich fahre auch echt gerne Auto, aber da fahre ich dann auch wieder zu Konzerten. Ich stand im letzten Jahr an einem Punkt, da war ich ziemlich belastet und habe mir überlegt, was mache ich, was ist mein Hobby, wenn ich keine Musik mache. Ich habe mir Zeit genommen drüber nachgedacht. Und da habe ich einen Song geschrieben. Das alles mache ich nicht für den Erfolg, sondern das ist erst einmal gut für meine Seele. Die Auftritte sind halt auch total toll, insgesamt habe ich mich wohl ziemlich der Musik verschworen (lacht).

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Über Thomas Waldherr (804 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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