Beiträge des Monats: September 2007
Wieder einmal wurde der Beweis angetreten, dass die freien, die Independent-Label (USA) mächtig Gas geben. Eines dieser rührigen Plattenlabel ist Broken Bow Records (Nashville), welches in den letzten zwei Jahren den Sänger Jason Aldean kontinuierlich aufbaute. Das intensive Arbeiten am Künstler hat sich allerdings wirklich gelohnt. Für sein Debüt-Album wurde er unlängst mit Platin ausgezeichnet und die ACM (Academy Of Country Music) zeichnete ihm 2006 mit dem Award “Bester männlicher Sänger des Jahres” aus.
Mit “Relentless” (Unbarmherzig), seinem neuen Silberling, greift der smarte Sänger aus dem Bundesstaat Georgia wieder nach den Sternen. Schon der Opener “Johnny Cash” verspricht Lust auf mehr und ist Country-Rock in Vollendung. Wer jedoch denkt, dass dies ein eher rockiges Album wäre, der irrt sich. Die Balance zwischen Up- bzw. Mid-Tempo-Songs und Balladen halten sich stets die Waage und ein unnötiges “Zappen” erübrigt sich. Ergo, es ist noch genug traditionelle Country Music vorhanden, die zum Zuhören einlädt.
Vor ca. drei Jahren hat sich Linda Feller nach einem neuen Produzenten-Team umgeschaut und mit Rudolf Müssig und Christoph Leis-Bendorff genau die Partner gefunden, die der Sängerin mehr und mehr den nötigen “Country-Touch” verpassen. Schon beim Vorgängeralbum “Langsam aber sicher” war eine Veränderung erkennbar. Doch in ihrem aktuellen Werk “Liebe ist wie ein Haus”, steckt mehr “Country Music”, als in sämtlichen Alben, welche die gebürtige Thüringerin bisher veröffentlichte.
Die Qualität, textlich wie musikalisch, die hier verarbeitet wurde, ist auf einem sehr hohen Niveau. Sie hat sich die Messlatte selbst sehr hoch gesetzt und dadurch eine Perfektion erreicht, welche man noch vor wenigen Jahren, bei deutschsprachigen Countrysängerinnen, in “Good Ol’ Germany” vergeblich suchte.
Rhean Boyer, Jeremy Baxter und Marvin Evatt sind Carolina Rain. Mit ihrem Debütalbum “Weather The Storm” zeigen die drei Musiker äusserst eindrucksvoll, dass traditionelle Country Music, gepaart mit modernen Einflüssen und Elementen, richtig gut klingen kann. Zwölf Songs, die wirklich Lust auf mehr machen. Kein geringerer als Clint Black, der u.a. mit Sänger Rhean Boyer die Produktion übernahm, hat ein feines Näschen für gute Musiker entwickelt. Vor ca. 18 Monaten stampfte er, fast im Alleingang, das Label Equity Music Group aus dem Boden.
Eine der ersten Bands, die bei ihm unterzeichneten, waren besagte Band Carolina Rain. Der große Vorteil eines Independent-Label ist, dass man mehr künstlerische Freiheit genießt, als bei einem großen Major-Label. Das haben sie sich auch nicht nehmen lassen und grandios umgesetzt. Ein erdiges, traditionell gehaltenes Album mit vielen potentiellen Hits ist entstanden. Viele der Songs besitzen zudem Ohrwurmqualität. Gerade die akustische Instrumentierung, mit vielen Mandolinen- und Banjo-Klängen, überzeugt auf der ganzen Linie. Zudem ist der dreistimmige Harmoniegesang eine Klasse für sich.
“Green fields for miles and miles, and nothing but country on the radio dial” singt Shannon Brown im Titelsong ihres Debütalbums “Corn Fed”. Ein Zustand, von dem man hier in Deutschland als Countryfan nur träumen kann, der aber in Iowa, Shannon Browns Geburtsort, zum Alltag gehört. Shannon Brown lebt und liebt den Country-Lifestyle und präsentiert sich mit Hilfe von Hitproduzent John Rich äußerst facettenreich und Genre-übergreifend ohne dabei jedoch ein gewisses kommerzielles Potenzial der Songs aus den Augen zu verlieren.
So ist dann wohl auch zu erklären, weshalb die erste Singleauskopplung “Corn Fed” klingt, als träfe das “Mississippi Girl” auf die “Redneck Woman”. Faith Hill trifft also auf Gretchen Wilson und heraus kommt Shannon Brown? Ja, so könnte man ihren Stil schon sehr treffend beschreiben. Nicht zu glatt, nicht zu viel Make-Up und auf der anderen Seite auch nicht zu sehr auf Redneck-Attitüde und Landei-Image getrimmt. Eine ideale Kombination also für alle die, die bisher weder mit den zum Pop neigenden Hochglanzladies noch mit einer grimmigen Gretchen Wilson etwas anfangen konnten.
Es gibt sie immer wieder, diese Alben, die vor musikalischer Genialität nur so strotzen, die aber einfach nicht genügend dafür gewürdigt werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Album “Soldiers Of Love” von The Derailers. Dabei stand die Band, nachdem Leadsänger und Gründungsmitglied Tony Villanueva überraschend seinen Ausstieg verkündete, schon fast vor dem Ende ihrer Karriere. Doch zum Glück gab es da ja noch den Co-Frontmann Brian Hofeldt, der sich kurzerhand dafür entschied, das “Co-” zukünftig wegzulassen und somit den Platz von Tony Villanueva einzunehmen. Sicherlich keine einfache Aufgabe, da Tonys Stimme den Stil der Band über Jahre hinweg schon sehr geprägt hatte.
“Cold Beer, Hot Women & Cool Country Music” heißt der Opener dieser CD. Hält der Titel was er verspricht? Nun ja, für das kalte Bier und die heißen Frauen muss man schon selbst sorgen, aber zumindest den Part mit der coolen Country Music, den übernehmen die Derailers! Davon kann man sich auch im zweiten Song, “She’s a Lot Like Texas”, überzeugen. Ein recht melancholisches Stück mit staubtrockenem Texas-Charme. Nach dem dynamischen Start in die CD kommt dieser Song irgendwie unerwartet, aber er ist in jedem Fall ein musikalischer Hochgenuss. Dieser plötzliche Wechsel der Musikstile setzt sich dann auch nahtlos fort und zieht sich sozusagen durch das gesamte Album. Der Titelsong “Soldiers Of Love” ist dabei eine der größten Überraschungen. Soundmäßig ein Überbleibsel des R&Bs der 60er und nicht umsonst sehr an die Beatles erinnernd. Keine Geringeren als die Fab Four aus Liverpool waren es nämlich, die den Song damals auch schon gespielt haben. Einen Mitschnitt davon gibt es auf deren Album “Live at the BBC”. Muss man aber nicht unbedingt kennen, zumal Brian Hofeldt laut eigener Aussage bei diesem Song ohnehin eine bessere Figur abgibt als John Lennon damals. Wollen wir’s ihm einfach mal glauben …
Ein Blick auf die Titel der Songs verrät, dass man es mit einem nicht alltäglichen Album zu tun hat. Es ist sicher kein Album, das die Charts stürmen wird aber eines, das Country Music mit all ihrer Urwüchsigkeit, Vitalität und Lebensnähe beinhaltet. Nicht von ungefähr trägt es den Titel “Helden, Freunde und andere Seelen in Schwierigkeiten”.
Billy Don Burns hat nahezu die ganze Bandbreite menschlicher Höhe- und Tiefpunkte durchlebt. Der Bursche aus einem winzigen Dorf in Arkansas wurde früh Musiker, leistete seinen Wehrdienst und schlug sich danach mit Musik durch. Dabei kam er irgendwann auch nach Nashville, war zeitweise in der Rolle von Hank Williams im Vergnügungspark Opryland und dann mit nahezu allem beschäftigt, was das Country Music Business zu bieten hat. Als Songschreiber blieb er am erfolgreichsten, denn seine Titel wurden von den Stars übernommen. Mit dem eigenen Gesang sah es schon weniger positiv aus. Schließlich warfen ihn Drogen ziemlich aus der Bahn, doch er bekam das Problem in den griff und kam wieder. Vom Leben gestählt schrieb und sang er noch authentischere und unter die Haut gehende Songs. Das brachte ihm Respekt und Anerkennung von Stars wie Johnny Cash, Willie Nelson und anderen ein. Er gehört inzwischen längst wieder zum Nashville-Establishment, ohne dass er etwas von seiner Eigenwilligkeit eingebüßt hätte.
Selten hat ein Album einen treffenderen Titel erhalten wie das 2007 veröffentlichte “Floyd Tillman: The Influence”. Dieser am 22.8.2003 in hohem Alter verstorbene Künstler hat die Country Music in vielerlei Hinsicht bereichert und damit beeinflusst. Er war bis zu seinem Tod das letzte Bindeglied zwischen der frühen Country Music der 1930er und 1940er Jahre und der aktuellen. Den Jüngeren mag sein Name kaum geläufig sein, für Generationen von Country-Künstlern war er ein Vorbild. Auch für solche Stars wie George Jones, Dolly Parton oder Willie Nelson. Die von ihm geschriebenen Songs – er hat eine Menge davon verfasst – sind so zeitlos, dass sie immer wieder aufgenommen wurden und auch künftig nicht vergessen werden.
Das Album, auf das ich etwas später eingehen möchte, enthält eine umfassende Würdigung dieses Künstlers, verfasst von Dr. Bill C. Malone. Ich möchte einige wesentliche Passagen und Fakten daraus entnehmen, um die Bedeutung des Floyd Tillman herauszustellen. Musik war die Welt des Floyd Tillman, fast schon seit seinem ersten Schrei in dieser Welt, den er am 8. Dezember 1915 in Ryan, Oklahoma tat. Er hatte 10 Geschwister, mit denen und den Eltern er in die Nähe von Lubbock, Texas umsiedelte. Dort begann er Gitarre zu spielen, um sich seinen Brüdern und deren Stringband anschließen zu können.. Es kümmerte ihn wenig, was man ihm auf dem Instrument beibringen wollte, er eignete sich sein eigenes Gitarrenspiel an. 1933 ging er nach San Antonio und schloß sich der Band von Emil und Adolph Hofner an. Als die Elektrizität auch bei Musikinstrumenten Einzug hielt, faszinierte den jungen Tillman dies – bald hatte er seine Gitarre mit einem Resonator ausgestattet. Inzwischen hatte er begonnen, Songs zu schreiben. Kurze Zeit später war Tillman in Houston, wo er schließlich zur Band “Blueridge Playboys” gehörte. Man spielte das, was man Western Swing nannte, eine attraktive, sehr beliebte Mischung aus Pop, Country, Blues, Jazz und Swing. Mit Leon “Pappy” Selph (Fiddle), Ted Daffan (Steel Guitar), Moon Mullican (Piano) gehörten Musiker zjur Band, die alle eigene Karrieren machen sollten. Tillman ging mit dem Fortschritt und spielte bald eine E-Gitarre.
Schon längst ist Kenny Chesney vom smarten “Countryboy” zum erwachsenen, coolen Sänger aufgestiegen. Einer der wenigen Künstler, die zwar einen roten Faden in ihrer Musik haben, aber stets links und rechts über den Tellerrand schauen, um Neues zu entdecken.
Die uns nicht nur mit seichtem “Nashville-Einheitsbrei” die Gehörgänge zusetzen, sondern mit guten Texten, tollen Melodiefolgen faszinieren und uns am Lautsprecher fesseln. Musik die einerseits so vielseitig ist, trotzdem den traditionellen Wurzeln des “Country” Tribut zollt und jede Facette der modernen Country Music für sich in Anspruch nimmt. Super Nebeneffekt dabei; seine Fans scheinen es zu mögen, denn der aus Knoxville, Tennessee stammende Sänger verkauft von seinen Tonträgern soviel, dass es nur so Platin-Auszeichnungen regnet.
Nein, nein, so schlimm wie der Name vermuten lässt, ist es doch nicht, was den ahnungslosen Hörer erwartet. Im Gegenteil – eine richtig reizvolle Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen und musikalischen Auffassungen. Es begegnen sich zwei Welten, die sehr viel besser miteinander harmonieren als erwartet. Drei Alben haben die Bastard Sons Of Johnny Cash bereits auf der Habenseite, dazu zwei Tourneen durch Europa. Und dennoch ist diese Scheibe das Album-Debüt für die Gruppe in Europa. Es sind größtenteils Aufnahmen von den vorherigen Alben – also eine Art “Best of”.
Natürlich muss man etwas über diese Gruppe berichten, deren Name allein schon die Neugier weckt. Der Kopf hinter der Band heißt Mark Stuart und kommt aus dem Punkrock in Kalifornien. Wer sich näher mit Johnny Cash befasst hat, der weiß, dass er nie Berührungsängste zu derartigen Musikrichtungen hatte. Gerade in den letzten Jahren seiner Karriere fand seine Musik fast schon enthusiastische Zustimmung in der alternativen Musik-Szene. Mark Stuart seinerseits erkannte irgendwann, dass Cash und seine Musik sich durchaus mit seiner eigenen Auffassung von Musik deckten. Also suchte er sich gleichgesinnte Musiker und startete eine eigene Art von Musik, für die er keinen Namen hatte. Ebensowenig für die Band. Und dann fiel ihm bei einem seiner Tagträume die Bezeichnung Bastard Sons Of Johnny Cash ein. Die Genehmigung der Legende Cash bekamen sie dann etwas später sogar dazu.


