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Marshall Grant von den Tennessee Two ist tot

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Marshall Grant, das letzte noch lebende Mitglied von Johnny Cash & The Tennessee Two, ist tot. Er starb in den frühen Morgenstunden des 7. August im St. Bernard’s Medical Center in Jonesboro, Arkansas. Er wurde 83 Jahre alt und erlag einem Aneurysma im Gehirn.

Marshall Grant, geboren in North Carolina, arbeitete zusammen mit Luther Perkins als Automechaniker in Memphis, unweit des Sun Studios, als Johnny Cash nach seiner Armeezeit in Landsberg am Lech im Juli 1954 in Memphis eintraf. John’s älterer Bruder Roy Cash brachte die drei jungen Männer zusammen. Was als Freizeitbeschäftigung und Spaß begann, entwickelte sich langsam, aber stetig zum womöglich bekanntesten Act in der Geschichte der Country Music. Alle drei spielten ursprünglich Akustikgitarre. Ein vierter mit musizierender Freund, A.W. „Red“ Kernodle, dem Marshall Grant eine Lap Steel und einen Sears & Roebuck Verstärker gekauft hatte, war zwar zunächst noch dabei, zog sich aber zurück, als es ernst wurde.

Die Drei erkannten sehr schnell, dass sie mit drei Akustikgitarren nicht weit kommen würden. Also kaufte sich Luther eine gebrauchte Fender Esquire, und Marshall kaufte sich einen gebrauchten Kontrabass. Er wusste nicht, wie dieses Monstrum von einem Instrument gestimmt wurde, aber Hilfe war schnell bei einem Arbeitskollegen gefunden. Das Griffbrett des Basses wurde mit kleinen Stücken Klebeband versehen, auf die die dort zu greifende Note einfach drauf geschrieben wurde. So begann man mit einer Tonart, und Marshall orientierte sich stilistisch an Bill Black, dem Bassisten von Elvis, der damals noch für Sun Records aufnahm. So wie dieser Presley wollte man herauskommen, mit einer eigenen Platte bei „Sun“. Das war das Ziel.

Johnny Cash & The Tennessee Two

Rudimentär, so wurde der berühmte „Boom-Chicka-Boom Sound“ von Johnny Cash oft genannt, und so beschrieb ihn auch Marshall Grant. Niemals im Traum hätte er daran gedacht, dass aus ihnen mal was werden würde, geschweige denn das, was schlußendlich dann passierte. Sie nahmen für „Sun“ auf, gingen auf Tour, wurden bekannt, spielten in der Grand Ole Opry, verkauften Millionen von Schallplatten und bereisten mit ihrer Musik die Welt. Marshall Grant war in der Zeit bis 1980 nicht nur der Bassist, sondern auch der Tourmanager von Johnny Cash. Er arrangierte die Hotels, buchte die Flüge, und kümmerte sich darum, dass die Tourneen reibungslos abliefen. Zusammen mit June Carter sorgte er außerdem dafür, dass Johnny Cash’s oft beschriebene Tablettensucht in den 60er Jahren nicht zum vorzeitigen Tod des Man In Black führte.

26 Jahre seines Lebens verbrachte er an der Seite von Johnny Cash, durch alle Höhen und Tiefen, bis man sich schließlich trennte. Die Gründe hierfür wurden oft besprochen, die ganze Wahrheit haben beide mit ins Grab genommen. Ihre Freundschaft überstand aber auch diese Krise. Sie telefonierten oft miteinander, und beim letzten Auftritt von Johnny Cash mit seiner Band anlässlich des Johnny Cash Tribute Konzertes im Hammerstein Ballroom in New York am 6. April 1999 stand Marshall Grant mit dem Kontrabass neben seinem alten Freund Johnny Cash auf der Bühne. Ein Kreis hatte sich geschlossen.

Nach 1980 arbeitete Marshall Grant als Tourmanager und Manager der Statler Brothers, die er seit gemeinsamen Tagen in der Johnny Cash Show in den 60er und 70er Jahren ebenfalls zu seinen Freunden zählte. Später fungierte er als ausführender Produzent der Statler Brothers Show auf TNN, die viele Jahre am Samstag Abend ausgestrahlt wurde. Im Jahre 2004, als die Statler Brothers ihre Karriere beendeten, zog sich auch Marshall Grant in den Ruhestand zurück. Er fand die Zeit und die Muße, seine Erlebnisse mit Johnny Cash in einem Buch nieder zu schreiben. Im Jahre 2006 erschien „I Was There When It Happened – My Life With Johnny Cash“. Ein bewegendes, ein spannenendes und faszinierendes Buch, das allerdings nur in englischer Sprache erschienen ist.

Wer den Film „Walk The Line“ gesehen hat, dem wird vielleicht zu Beginn des Abspanns der Song „Long Legged Guitar Pickin‘ Man“ in Erinnerung sein, ein Duett von Johnny Cash und June Carter. Dieser Song stammt aus der Feder von Marshall Grant.

Als 2007 die Musicians‘ Hall Of Fame in Nashville eröffnet wurde, waren die Tennessee Two einer der ersten Acts, die dort feierlich aufgenommen wurden. Zusammen mit seiner Frau Etta und der Witwe von Luther Perkins wohnte er der Zeremonie bei.

Am letzten Mittwoch weilte Marshall Grant in Arkansas, bei den Proben zum ersten Johnny Cash Music Fest. Am Abend beklagte er im Hotel, dass ihm nicht wohl sei. Er kollabierte und wurde zu einer Notoperation ins Krankenhaus gebracht. Dort erlag er einige Tage später seinem Leiden.

Mit Marshall Grant verliert die Country Music einen ihrer einflussreichsten und bedeutendsten Musiker, den aber nur die Wenigsten kannten. Die Karriere von Johnny Cash wäre ohne ihn so nicht denkbar gewesen und sicher auch anders verlaufen. Das bestätigte auch Rosanne Cash, die den Tod von Marshall Grant auf ihrer Facebook Seite bekannt gab (wohl als erste) und die letzten Tage seines Lebens Marshall Grant zur Seite stand.

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