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Ronnie Dunn: Peace, Love & Country Music

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Für so manchen Musikfan brach eine kleine Welt zusammen, als das erfolgreichste Duo der New-Country-Ära im Jahr 2010 seine Trennung bekanntgab. In Wahrheit war es ein gut gewählter Zeitpunkt, da sich das Countrygenre am Anfang eines schon fast revolutionären Umbruchs befand und das Kultduo Brooks & Dunn im Zuge des aufkommenden Partybooms immer weniger Airplayzuspruch bekam.

Im Augenblick der Trennung lag der letzte Charttopper bereits fünf Jahre zurück und das finale Studioalbum „Cowboy Town“ konnte lediglich im fernen Australien Goldstatus erringen. Das Duo hatte sich kommerziell überlebt mit der Konsequenz, dass die Solokarrieren von Kix Brooks und Ronnie Dunn auf die neuen Anforderungen des Marktes ausgerichtet werden konnten.

Als Ronnie Dunn im Jahr 2011 mit seinem selbstbenannten Soloalbum wieder die Spitze der Countrycharts erringen konnte und mit der Mörderballade „Bleed Red“ einen Top-10-Hit landete, schien die Rechnung aufzugehen. Nachdem die zweite Single „Cost Of Livin'“ noch eine Grammynominierung einheimsen konnte, flaute der Hype um den musikalischen Alleingang des bärtigen Texaners in der Folgezeit relativ zügig wieder ab. Zeit, die der Szeneprofi zu nutzen wusste, um seine musikalische Weltanschauung einer erneuten Kurskorrektur zu unterziehen. Nachdem er zwei Jahrzehnte lang den Diensten seines Heimatlabels Arista Nashville die Treue gehalten hatte, gründete der mittlerweile 60-Jährige sein eigenes Independent-Label „Little Will-E Records“ und schraubte damit die Erwartungen der Musikkritiker erneut nach oben.

Nach rund zwei Jahren Vorbereitung und einigen online-veröffentlichten Songkostproben ist nun das Album „Peace, Love & Country Music“ erschienen. Und siehe da, der Mann mit dem Cowboy-Tattoo setzt auf Exklusivität, indem er den mit Jeff Balding co-produzierten Silberling nur über den Clothing-Partner „Country Outfitter“ bzw. als Download zur Verfügung stellt. Ob diese Form der Verknappung auch als Qualitätsschub verstanden werden kann, ist die spannende Frage, die sich beim Hören des 14 Tracks umspannenden Werkes stellt. Die hochtrabenden Worte des Künstlers, „Unser Ziel ist es, eine Musikkultur unter der Führung einer Lifestylephilosophie zu erschaffen“, ließen schon mal Großes erahnen.

Vorweg gesagt, „Peace, Love & Country Music“ ist weder revolutionär noch außergewöhnlich innovativ. Es ist vielmehr das Album eines gereiften Künstlers, der sich thematisch irgendwo zwischen seinen nostalgischen Ursprüngen und den realen Anforderungen der Moderne bewegt. Darin erleben wir einen Countrysänger, der in stimmlicher Bestform verschiedenste Songthemen in maximaler Bandbreite von Honkytonk bis Hardrock bedient.

Starten wir mit dem Opener „Grown Damn Man“, bei dem der Spagat zwischen den Stilepochen äußerst überzeugend gelingt. Der Song besitzt einen feinen, zeitgemäßen Groove auf der Grundlage eines „classic-90’s-style“ (Gruß an Ex-Partner Kix), in dem die Steel-Guitar wohltuende Originalität verbreitet. „Cadillac Bound“ ist wiederum ein großartig gesungener, moderner Country-Song mit ausgeprägten Radio-Hit-Potenzial. Während sich die im zeitgenössischen Country verbreitete Rednecksymbolik hier noch im Zaume hält, schlägt diese beim folgenden „Cowgirls Rock’n’Roll“ voll zu Buche. Nach einem schon fast lieblichen, The-Band-Perry-inspirierten Banjointro, geht der Refrain mit Rockgitarrenpower voll auf die Zwölf und lässt durch Textpassagen über „tattoos and pickup-trucks“ die arg kritisierte „Bro-Country-Seele“ hochleben. Da ist es schon mehr als ein Stilbruch, wenn in der Folge mit „Heart Letting Go“ und „You Should See You Now“ zwei intensive Old-School-Balladen folgen, wie sie in der neueren Szene (vielleicht mit Ausnahme von Randy Houser) kaum jemand zu singen in der Lage ist.

Auf „Country This“ wird der Schalter erneut umgelegt. Mit unterdrücktem Twang intoniert der Meister unter dem Geleit von Hard-Rockgitarren, dass Countryboys auch richtig wild und sinnentleert loslassen können. „I Wish I Still Smoked Cigarettes“ ist wiederum eine schon fast zärtliche Ballade über eine verlorene Liebe, bei der New-Country-Top-Songwriter Luke Laird an den Textpassagen mitgefeilt hat. Da überrascht es dann kaum noch, dass das überzüchtete „Let’s Get The Beer Joint Rockin'“ wieder die Country-Party-Bilderwelt zur Zielscheibe hat. Ein echtes Highlight bildet der von Eddy Arnold und Ray Charles einst populär gemachte Klassiker „You Don’t Know Me“, der die bluesige Seite des Superstars aus Coleman / Texas überzeugend darlegt, während das folgende „Romeo & Juliet“ als lässiger New-Country stilistisch einem Blake Shelton zugeschrieben werden könnte. Auf der im Radio wenig erfolgreichen Single „Kiss You There“ riskiert Ronnie Dunn in den Strophen sogar eine leichte Hip-Hop-Attitüde, bevor der Song durch die platten „Background-Ooh-Oohs“ im Refrain an Spannung verliert.

Zum Ende treibt der Meister den Tradition-Moderne-Kontrast nochmals auf die Spitze. „Thou Shalt Not“ ist ein postmoderner „outlaw-tune“, der in düsterer Stimmungslage auch auf dem aktuellen Eric-Church-Album hätte Platz finden können. Kaum sind die outlawinspirierten Rocksounds verklungen, huldigt Ronnie Dunn mit dem schmalzigen Honkytonk „They Still Play Country Music In Texas“ der guten, alten Tradition seines Heimatstaates. DerTitelsong beendet schließlich als Sing-A-Long über die einfachen Dinge des Lebens ein Album, das stilistisch kaum Wünsche offen lässt, ohne jedoch ein eindeutiges Statement über die Musikphilosophie seines Künstlers zu hinterlassen.

Fazit: „Peace, Love & Country Music“ gibt einen bruchstückhaften Überblick über 20 Jahre Countrymusikhistorie, in der Ronnie Dunn seinem Publikum auf kurzweilige Art und Weise den Alleskönner präsentiert. Dies geschieht immer dann am überzeugendsten, wenn der Bezug zur Tradition mit nostalgischen Anwandlungen an die frühe Brooks & Dunn-Phase hergestellt wird („Grown Damn Man“, „I Wish I Still Smoked Cigarettes“, „You Don’t Know Me“). Sofern man sich von dem stilistischen Wechselspiel nicht irriteren lässt, wird der geneigte Countryfan mit einer Menge guter Musik belohnt von einem Sänger, dessen Stimme auch nach 30 Jahren Musikszene nichts von seiner Originalität verloren hat.

Das aktuelle Album Peace, Love & Country Music von Ronnie Dunn – Bestellen, Format, VÖ. und Label:

 
Ronnie Dunn - Peace, Love & Country Music
 
Künstler / Albumtitel: Ronnie Dunn – Peace, Love & Country Music
Format / Label / Veröffentlicht: CD & Digital (Little Will-E Records, 2014)
 
Bestellen über die offizielle Webseite von Ronnie Dunn: Peace, Love & Country Music
 
Trackliste:

01. Grown Damn Man
02. Cadillac Bound
03. Cowgirls Rock’n’Roll
04. Heart Letting Go
05. You Should See You Now
06. Country This
07. I Wish I Still Smoked Cigarettes
08. Let’s Get The Beer Joint Rockin‘
09. You Don’t Know Me
10. Romeo & Juliet
11. Kiss You There
12. Thou Shalt Not
13. They Still Play Country Music In Texas
14. Peace Love & Country Music

 
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Über Bernd Wenserski (581 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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