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John Mellencamp: Plain Spoken

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Nun liegt es vor – Mr. John Mellencamps erstes Album mit neuen Songs seit dem großartigen „No Better Than This“ von 2010. Sein insgesamt 22. Longplayer. Und weiter folgt er damit den Americana-Pfaden, mal persönlich, mal an politischen und sozialen Themen interessiert. Wobei die Songs diesmal introvertierter, ruhiger und nachdenklicher wirken.

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Wieder erstklassig von T-Bone Burnett produziert als erstes Werk für das Republic-Label (Vertrag auf Lebenszeit!), umweht das Album ein Hauch von Alterswerk. Und obwohl wir weit entfernt vom Klatschjournalismus sind: Vielleicht sind auch weniger günstige Entwicklungen in Mellencamps Privatleben mitverantwortlich für die zarte Melancholie, die über dem Album liegt.

Denn bezeichnenderweise heißt der erste Song „Troubled Man“. Mellencamp gelingt es hier, diesem Standardthema des American Folk noch ein paar neue und persönliche Facetten anzufügen. Es folgt einer der schönsten Songs des Albums: „Sometimes There’s God“. Eine stille, melodisch wunderschöne Andacht. Glauben als etwas sehr persönliches. Ehrlich und überzeugend.

Traurigstes, konsequentestes und bitterstes Stück auf der Platte ist „The Isolation Of Mister“. Mit bald 63 Jahren legt der Heartland-Rocker ein Zeugnis über sich ab, das nicht positiv ausfällt. Ob er jetzt endgültig geläutert ist? Schönstes Lied von Form und Inhalt ist natürlich „Freedom Of Speech“. Ein unwiderstehliches Geigenriff zieht sich durch dieses Loblied auf die „Freiheit der Rede“ und den anderen Grundrechten: Freiheit des Denkens, der Träume, des Glaubens, die man allesamt nicht genug schätzen und pflegen kann. Da ist er wieder: Mellencamp, der überzeugte Demokrat, Freigeist und nimmermüde Hüter der uramerikanischen Werte, die im Amerika von heute keineswegs mehr selbstverständlicher Konsens sind.

Mit „Blue Charlotte“ folgt dann das schönste Liebeslied des Albums. Die traurige, unter die Haut gehende Erinnerung eines alten Mannes an die verstorbene, lebenslange Frau und Partnerin. Bemerkenswert. Das nachfolgende „The Courtesy Of Kings“ ist ebenfalls ein wirkliches Meisterwerk, das der Künstler wohl wirklich erst in diesem Alter schreiben kann. Lebensklug und nachsichtig in der Aussage, von Lyrik und im melodiösen Aufbau mit fast schon dylanesk ist es ein nahezu perfekter Song. Mellencamp ist klug genug, diesem Schwergewicht etwas Leichteres folgen zu lassen. „Lawless Times“ ist ein luftiger Abschluss einer bemerkenswerten Platte. „Plain Spoken“ ist ruhig und klar, ohne Effekte, aber dafür in Kopf und Ohr verbleibend.

Fazit: Ohne John Mellencamp wäre die (Musik-)Welt ärmer. Ein altersweises, starkes Spätwerk hat er da hingelegt. Eine schöne Herbstmusik!

John Mellencamp – Plain Spoken: Das 2014er Album

John Mellencamp – Plain Spoken

Künstler / Albumtitel: John Mellencamp – Plain Spoken
Format / Label / Veröffentlicht: CD, Vinyl & Digital (Republic, Universal Music 2014)

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Trackliste:

01. Troubled Man
02. Sometimes There’s God
03. The Isolation Of Mister
04. The Company Of Cowards
05. Tears In Vain
06. The Brass Ring
07. Freedom Of Speech
08. Blue Charlotte
09. The Courtesy Of Kings
10. Lawless Times

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Über Thomas Waldherr (804 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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