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Bob Dylan: The Best Of The Cutting Edge – The Bootleg Series Vol. 12

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Bob Dylan (Cutting Edge, Bootleg Series Vol. 12) Bildrechte: Sony Music

Nun ist sie erschienen, die lang erwartete 12. Ausgabe der Bootleg Series von Bob Dylan. Wieder einmal sind die Leute von Sony/Columbia/Legacy tief in den Keller hinunter gestiegen, und haben tolle Pretiosen mit nach oben ans Licht gebracht. The Cutting Edge dokumentiert nicht mehr und nicht weniger als die Musik, die Dylan mit drei großartigen Alben für immer in den Olymp des Pop und Rock katapultierten. Ein Schaffens-Höhepunkt des Mannes aus Minnesota, der in dieser Qualität und Dichte von ihm nur in den Jahren 1973-78 und 2001-2006 annähernd erreicht werden konnte.

Dokumentation eines Schaffens-Höhepunkts

In 14 Monaten entstanden die LPs „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“. Kündete der erste Teil der Trilogie noch vom Wiederfinden seiner alten musikalischen Form, der Rockmusik, bestätigt der zweite Teil, dass er hier richtig ist, und legt den Grundstein seiner faszinierenden Synthese von surrealer Rockpoesie mit amerikanischer Roots Music. Bei „Blonde On Blonde“ wurde der Klang noch quecksilbriger, die Erscheinung Dylans noch fiebriger und für diesen einen kurzen Moment der Rockgeschichte war Dylan textlich und musikalisch Avantgarde. Er tourte um die Welt, legte sich mit dem Publikum an, und war in der New Yorker Szene im Wettbewerb mit Andy Warhols Gang.

Von der Musik und ihren Aufnahmen in diesen 14 Monaten erzählt diese Bootleg Series-Folge also. Man darf Einblicke ins große Dylan-Laboratorium nehmen. Wir hören Alternativ-Versionen und Outtakes seiner großen Song-Klassiker wie „Like A Rolling Stone“, „Desolation Row“ oder „Just Like A Woman“, sind überrascht oder erfreut über diese und jene Version, und sind aber dennoch sehr zufrieden, das der Dylan von 1965/66 auf der Höhe seiner Selbstsicherheit wahr. Anders als in den verlorenen 1980er Jahren tat er stets instinktiv das Richtige: Jede Originalversion, die wir von den offiziellen Alben kennen, ist zu Recht dafür ausgewählt worden.

Und doch zeigt uns Dylans Arbeitsprozess bis heute, dass es die endgültige Version eines Dylan-Songs nie geben wird. Denn in den nächsten 60 Jahren sollte Dylan diese Lieder in unzähligen neuen Versionen auf die Bühne bringen. Und damit beides einkalkulieren: Etwas großes Schaffen oder grandios daran scheitern.

Produzent Bob Johnston lotst Dylan nach Nashville

In den Studios dieser Tage war Dylan übrigens noch auf Produzenten angewiesen, die ihm Hilfestellung gaben. War es bei „Bringing It All Back Home“ und „Like A Rolling Stone“ noch der zurückhaltende, smarte Jazz-Producer Tom Wilson, so arbeitete bei „Highway 61 Revisited“ und „Blonde on Blonde“ Bob Johnston mit dem jungen Meister. Johnston hatte einen Conutry-Hintergrund, seine Mutter schrieb Songs für Gene Autry. Er war es, der den „Nashville-Cat“ Charlie McCoy zu den Highway 61-Sessions mitbrachte und Dylan einlud, „Blonde On Blonde“ in Nashville aufzunehmen. Ausgerechnet Dylans avantgardistischste Platte wurde im Zentrum des „Bible Belt“ aufgenommen. Welch eine schöne musikhistorische Volte.

Aber auch Johnston, der Dylan noch bis Ende der 60er und zu seinem Country-Ausritt mit „Nashville Skyline“ und dem 1970er Album „New Morning“ begleiten sollte, ließ Dylans herrlich-chaotische Art des Arbeitens unreglementiert. Gerade die Nashville-Cats staunten nicht schlecht darüber, dass das Tonstudio zum Taubenschlag wurde, dass Dylan ständig am Improvisieren war, und seine Songs während der Aufnahmen fertig schrieb. Da trafen wirklich sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander. Ein Freak aus dem Nordosten traf auf professionelle Studiomusiker aus dem Süden. Dazwischen vermittelnd: Bob Johnston. In diesen Sessions wurde der Grundstein dafür gelegt, was später einmal Country-Rock werden sollte. Als sich die Countrymusiker die Haare wachsen ließen und traditionelle Klänge mit harten Rockrhythmen mischten.

„The Cutting Edge“ in mehreren Formaten erhältlich

Dylan 1965/66 war ein popmusikalischer Orkan, nichts in der Popmusik sollte später noch so sein wie vorher. Diese historischen Zeiten entsprechend zu würdigen und in kompaktem Format allen Interessierten frei zugänglich zu machen, das ist die Leistung dieser Bootleg-Series-Ausgabe. Denn eine Vielzahl der hier zusammengestellten Tracks haben die ganz großen Dylan Fans wahrscheinlich schon zu Hause als „richtiges“ Bootleg stehen. Sorgsam editiert, mit Liner Notes und vielen Bildern ist es aber auf alle Fälle ein Muss. Wobei der Musikfreund die Wahl unter drei Formaten hat: „The Cutting Edge“ gibt es als „Best Of“ im 2-CD- bzw. 3-LP-Gebinde, als 6-CD-Box und – Trommelwirbel: Als 18-CD-Boy in der limitierten Auflage von 5000 Stück! Kosten: Schlappe 600 Dollar. Wer diese Box dann hat, der darf sich eine ganze CD mit „Like A Rolling Stone“-Versionen erfreuen und der Rezensent fragt sich, ob dies nun unfreiwilliger Humor seitens der Album-Macher oder ein gezielter Scherz ist. In der Philosophie nennt man sowas Verdinglichung. Wenn nicht mehr die Musik, ihr Spirit und ihre Message im Mittelpunkt stehen, sondern nur noch die Besitzsucht am Produkt. Aber das muss man ja schließlich auch nicht mitmachen. 2er oder 6er Box reichen zum Verständnis dieser legendären Dylan-Schaffensphase vollkommen aus.

Fazit: Was bleibt ist wieder einmal eine spannende Musikgeschichtsstunde aus dem Hause Sony Prädikat: Chapeau und für Dylan-Freunde unverzichtbar!

Bob Dylan - Best Of The Cutting Edge, The Bootleg Series Vol. 12

Künstler: Bob Dylan
Titel: The Best Of The Cutting Edge – The Bootleg Series Vol. 12
Veröffentlichungstermin: 6. November 2015
Label: Sony/Legacy
Format: CD, Vinyl & Digital. 2-CD & 3-LP-Box
Laufzeit: CD1 – 70:23/ CD 2 – 75:01 Min.
Tracks: 38
Genre: Folk-Rock

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Trackliste: (CD 1)

01. Love Minus Zero/No Limit – Take 2 (1/13/1965) acoustic
02. I’ll Keep It with Mine – Take 1 (1/13/1965) piano demo
03. Bob Dylan s 115th Dream – Take 2 (1/13/1965) solo acoustic
04. She Belongs to Me – Take 1 (1/13/1965) solo acoustic
05. Subterranean Homesick Blues – Take 1 (1/14/1965) alternate take
06. Outlaw Blues – Take 2 (1/13/1965) alternate take
07. On the Road Again – Take 4 (1/14/1965) alternate take
08. Farewell, Angelina – Take 1 (1/13/1965) solo acoustic
09. If You Gotta Go, Go Now – Take 2 (1/15/1965) alternate take
10. You Don t Have to Do That – Take 1 (1/13/1965) solo acoustic
11. California – Take 1 (1/13/1965) solo acoustic
12. Mr. Tambourine Man – Take 3 (1/15/1965) with band, incomplete
13. It Takes a Lot to Laugh, It Takes a Train to Cry – Take 8 (6/15/1965) alternate take
14. Like a Rolling Stone – Take 5 (6/15/1965) rehearsal
15. Like a Rolling Stone – Take 11 (6/16/1965) alternate take
16. Sitting on a Barbed Wire Fence – Take 2 (6/15/1965) unreleased take
17. Medicine Sunday – Take 1 (10/5/1965) early version of Temporary Like Achilles
18. Desolation Row – Take 2 (8/4/1965) piano demo
19. Desolation Row – Take 1 (8/4/1965) alternate take

Trackliste: (CD 2)

01. Tombstone Blues – Take 1 (7/29/1965) alternate take
02. Positively 4th Street – Take 5 (7/29/1965) alternate take
03. Can You Please Crawl Out Your Window – Take 1 (7/30/1965) alternate take
04. Just Like Tom Thumb s Blues – Take 3 (8/2/1965) rehearsal
05. Highway 61 Revisited – Take 3 (8/2/1965) alternate take
06. Queen Jane Approximately – Take 5 (8/2/1965) alternate take
07. Visions of Johanna – Take 5 (11/30/1965) rehearsal
08. She’s Your Lover Now – Take 6 (1/21/1966) rehearsal
09. Lunatic Princess – Take 1 (1/27/1966)
10. Leopard-Skin Pill-Box Hat – Take 8 (2/14/1966) alternate take
11. One of Us Must Know (Sooner or Later) – Take 19 (1/25/1966) alternate take
12. Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again – Take 13 (2/17/1966) alternate take
13. Absolutely Sweet Marie – Take 1 (3/7/1966) alternate take
14. Just Like a Woman – Take 4 (3/8/1966) alternate take
15. Pledging My Time – Take 1 (3/8/1966) alternate take
16. I Want You – Take 4 (3/10/1966) alternate take
17. Highway 61 Revisited – Take 7 (8/2/1965) false start

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Über Thomas Waldherr (528 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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