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Happy Birthday, Bob Dylan!

Bob Dylan - 24. Mai 2016: Die Musiklegende wird heute 75 Jahre alt. Persönliche Erinnerungen unseres Redakteurs Thomas Waldherr.

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Bob Dylan Bildrechte: Sony Music, William Claxton

Er war Folker, Protestsänger, Folk-Rocker, Country-Rocker, Landlord und Familienvater, Schauspieler, Big Band-Leader, Gospelsänger und ist aktuell Sinatra-Interpret. Er wurde als Messias gefeiert und als Judas beschimpft. Er war groß in den 60er und 70ern und ausgebrannt in den 80ern. Ende der der 90er feierte er ein rauschendes Comeback und ist immer noch unterwegs auf den Konzertbühnen dieser Welt. Er ist eine lebende Legende und stilisiert sich mit einem gehörigen Schuss Ironie, aber voller Liebe zur amerikanischen Musik, als musikalisches Gesamtkunstwerk. Die Rede ist natürlich von niemand anderem als von Bob Dylan, der heute 75 Jahre alt wird.

Fast vierzig Jahre Fan

Der Autor dieser Zeilen ist ihm seit fast vierzig Jahren freundschaftlich verbunden – wenn auch einseitig! – und hat für jede Lebenslage – und das vereint die vielen Dylan-Fans – seinen Dylan gefunden und ihm stets die Treue gehalten. Und was waren die Zeiten mitunter schwer! In der Schule hörten die einen immer noch Beatles, die anderen Genesis und Barclay James Harvest und wer ganz avantgardistisch sein wollte, der spitzte bei Pink Floyd oder bei Jazz-Rock die Ohren. Dem Liedersänger Dylan mit seinen viel zu langen und textlastigen Songs zu folgen, mit dieser Leidenschaft traf er damals in seinem Umfeld auf nur wenige Gleichgesinnte.

Und der Kerl machte es einem ja auch nicht leicht. Kaum von ihm angefixt, fand Dylan vorübergehend zu einem sehr evangelikalen, fundamentalistischen und missionarischen Christentum und predigte in seinen Songs und auf der Bühne. Starker Tobak für den jugendlichen Freigeist. Doch dabei zu bleiben lohnte sich, denn dieser Dylan ließ einem immer den Schuss Ambivalenz, um aus seinen Songs auch anderes herauszuhören. Also ging es doch in manchem Lied nicht um Gott oder nicht nur um ihn, sondern auch um eine Frau. Und so wurde für den ewig unglücklich verliebten Heranwachsenden so mancher Dylan-Song zum Trost.

Vom Tiefpunkt in den 80ern

1981 dann der erste Besuch eines Dylan-Konzerts in Mannheim, im Eisstadion. Das war er schon langsam auf dem Weg zurück in die Welt und mischte alte und neue Songs bunt durcheinander und hatte drei Gospelsängerinnen dabei. In Erinnerung bleiben ein ziemlich cooler Dylan und ein musikalisch gutes Konzert. Was man vom 1987er Auftritt mit Tom Petty in der Frankfurter Festhalle nicht sagen kann. Dylan war auf dem Tiefpunkt angekommen schien es. Und die Dylan-Platten der Endachtziger kaufte man nur noch aus trotziger Treue und nicht aus Begeisterung.

Zum Comeback Ende der 90er

Doch da begann etwas Wundersames. Dylan ging 1988 auf seine „Never Ending Tour“ und seit 1990 ist er fortan auch jedes Jahr nach Deutschland gekommen. 1991 dann auch erstmals ins Rhein-Main-Gebiet. Und das Konzert in der Offenbacher Stadthalle hatte eine besondere die Dramaturgie. Am Anfang schien Dylan nicht recht nüchtern, schwankte bedrohlich und wir dachten in der ersten Reihe, wir müssten ihn gleich auffangen. Dann nach dem ersten Drittel bei „Don’t Think Twice, It’s Allright“ ging ein Ruck durch den Mann. Nun war er voll da und sang eine grandios rotzige und freche Version des Schmähliedes auf eine Ex-Geliebte. Fortan war das Konzert voller Höhepunkte und alle schauten sich beeindruckt an.
Dies war die Vor-Internet-Zeit, man abonnierte Bob Dylan-Newsletter und Magazine, die aus England und den USA per Post kamen. Und es gab die Telefon-Hotline des 1997 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen John Bauldie. So erfuhr man damals alles über Setlists, neue Platten und Extras aus der Gerüchteküche.

Bob Dylan

Bob Dylan – Bildrechte: Sony Music


Dylan nahm zu dieser Zeit in den 90er Jahren in meinem Leben wieder einen größeren Raum ein. Zeitgleich mit dem sportlichen Niedergang meines Fußballclubs, dem ich aber ebenso bis heute die Treue gehalten habe. Mehrere Konzerte wurden jährlich besucht, ich fing das Schreiben über Dylan an, und dann kam das Comeback Dylans 1997 mit dem Grammy-dekorierten Album „Time Out Of Mind“. Auf das meines Clubs musste ich noch 17 weitere Jahre warten, das war dann aber auch ebenso eindrucksvoll. War Dylan vorher der Tipp für Eingefleischte in halbvollen Stadthallen, so spielte er fortan auch immer wieder einmal in den großen Arenen. Doch es ist egal: Ob Unterfrankenhalle Aschaffenburg oder Madison Square Garden – wo ihn die Muse küsst, weiß man vorher ohnehin nicht.

Ab 2000 explodiert Dylan förmlich vor Kreativität

Das neue Jahrtausend sah dann einen Dylan, der produktiv und kreativ war wie seit den 60er und 70er Jahren nicht mehr. Großartige Alben – „Love And Theft“, „Modern Times“, „Tempest“. Ein Film: „Masked And Anonymous“. Die „Theme Time Radio Hour“. Ein Buch: die „Chronicles“. Und dazu mehrere Ausstellungen seiner Bilder und Zeichnungen. Es war, als explodiere seine Kreativität und Vitalität förmlich. Und wir dankten es ihm durch begeisterten Musikjournalismus, einem eigenen Buch über Dylan, Vortragsveranstaltungen und letztlich auch durch die Reihe „Americana im Pädagog“, zu der Bob Dylan als „Säulenheiliger“ sinnstiftend dazugehört.

Nun hat er gerade seine zweite Sinatra-Platte rausgebracht und spielt bei seinen Konzerten Abend für Abend die gleiche Setlist. Und man wird langsam ein bisschen wehmütig. Schleicht er sich raus? Wird er keine Songs mehr schreiben? Setzt er sich zur Ruhe?

Zumindest als Konzertkünstler ist der Ruhestand noch in weiter Ferne. Vor ihm liegt in diesem Jahr eine ausgedehnte Sommertour durch die USA und für den Oktober ist er schon für das Mega-Großkonzert zusammen mit den Rolling Stones, Paul McCartney, Neil Young, The Who und Roger Waters gebucht. Es bleibt also die Hoffnung, dass dieser Ausnahmekünstler, der einem durch den Großteil des Lebens begleitet hat, weiter aktiv als Singer-Songwriter und Performer sein wird, und dies wie seine Vorbilder noch bis ins hohe Alter bleibt.

The brother that you never had

Denn er wird gerade in diesen Zeiten, die so rosig und vielversprechend nicht sind, noch gebraucht. Als humanistischer Kompass, als Inspirationsquelle, als guter Freund. Oder wie sagte Bruce Springsteen über ihn, einen Satz aus dessen Song „Lenny Bruce“ zitierend: „He was the brother that you never had.“

Happy Birthday, Bob Dylan und Danke!

Rob Georg: Weitere Informationen hier klicken!
Über Thomas Waldherr (502 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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