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Dierks Bentley: Black

Dierks Bentley beleuchtet mit "Black" die Beziehungen zwischen Mann und Frau - und das äusserst eindrucksvoll.

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Dierks Bentley (Black) Dierks Bentley, Black - Bildrechte: Universal Music

Die Leadsingle zu diesem brandneuen Album, „Somewhere On A Beach“, hat den Platz an der Sonne der Billboard Airplay Charts nach zwei Wochen gerade verlassen, da erscheint mit Black das brandneue Album von Dierks Bentley. Kein schlechtes Vorzeichen für eine Veröffentlichung. Produziert haben, wie schon beim Vorgänger „Riser“, wiederum Ross Copperman und Arturo Buenahora Junior. Und da „Riser“ das bisher erfolgreichste Album von Bentley war, ist auch das kein schlechtes Vorzeichen.

Dieses Album betrachtet, beleuchtet und erhellt die Beziehungen zwischen Mann und Frau, aus verschiedenen Blickwinkeln, auf verschiedene Weise, mit verschiedenen Hintergründen und Resultaten. Dazu hat sich Dierks Bentley weibliche Hilfe geholt, und zwar in Form von gleich fünf Stimmen. Und Black ist der Mädchenname von Bentleys Frau Cassidy. Die Vorspannung ist da, jetzt hält mich nichts mehr!

Los gehts mit dem Titelsong, und sofort wird klar, dass dies ein sehr erwachsenes Album ist. „Der Mond draußen ist zu hell, laß die Jalousien unten, meine Hände wissen, wo sie hin müssen.“ Erst vor wenigen Tagen las ich einen Artikel über einen Vergleich des Sprachgebrauchs früher und heute. Gut, ich persönlich finde subtile Andeutungen durchaus reizvoll, aber auch diese unverblümten, direkten Worte treffen ins Schwarze. Und bevor wir uns ganz in der Sprache verlieren, nehmen wir auch die Musik mit, die dunkel und geheimnisvoll den Text perfekt begleitet.

„Ich habe diese sieben Zahlen heute schon fünf Mal gewählt, heb endlich ab, sag mir ‚Ich liebe Dich‘ oder ‚Ich hasse Dich‘, aber laß mich Deine Stimme hören.“ Jeder, der in solch einer Situation schon einmal die Wände hochgegangen ist vor Verzweiflung, wird sich in „Pick Up“ wiederfinden. Ein großartiges, verzweifeltes Wortspiel übrigens. Dann wird es mit „I’ll Be The Moon“ noch dunkler. „Ich will weder Lügner noch Narr sein, ich will nicht im Dunkel bleiben … er kann die Sonne sein, ich werde der Mond sein.“ Das Ganze im Duett mit Newcomerin Maren Morris lässt diese Episode lebendig werden. Das Album packt, textlich, und die Musik passt dazu perfekt.

„Habe ich von Louis Vuitton geredet, vom Rodeo Drive, von einem Diamantring?“ „What The Hell Did I Say“ könnte ohne die Verzweiflung des Erzählers ganz lustig sein. Vollmundige Versprechungen an eine Frau, von denen der zu der Zeit betrunkene Mann nichts mehr weiß. „Du denkst bestimmt, ich säße zu Hause, alleine, und würde Dich vermissen und auf Deinen Anruf warten. Oh nein! Ich sitze am Strand mit einer Neuen, trinke was Starkes, wir trinken am Tag und feiern in der Nacht, sie hat einen Körper und ist versaut, und ich habe seit einer Woche nicht geschlafen.“ Schockiert Sie das? Diese Offenheit? Ich gebe zu, solche Dinge klingen im Englischen zwar genau so deutlich, aber nicht so plump. Zum Glück reden wir hier über Country Music!

Aber ich kann mich des Gefühls nicht mehr verschließen, dass wir es hier mit einem richtigen Kracher von Album zu tun haben, und Erinnerungen an das letzte Album dieser Güteklasse werden wach … „Mr. Misunderstood“ von Eric Church. Ja, beim Album des Chief ging es thematisch um etwas völlig Anderes, aber der Vergleich ist nicht weit hergeholt. Dafür müssen die restlichen acht Songs aber passen. Und „Freedom“ ist zwar ein guter Song, kann aber für mich die bisherige hohe Qualität nicht halten. Nun gut, bei 13 Songs ist klar, dass es auch mal ein Tal zwischen all den Bergen geben wird. „Why Do I Feel“ klingt zunächst sehr fremd. Der Text ist sehr nachdenklich, und das Dobro später im Song ist großartig und untermalt ein weiteres Mal perfekt den Text.

„Roses And A Time Machine“ ist ein cleverer Wunsch eines Mannes, dem bewusst ist, dass er in der Vergangenheit Mist gemacht hat. Also wünscht er sich den DeLorean, mit dem er, mit einem Strauß Rosen bewaffnet, zurück in die Vergangenheit reisen möchte, um den Fehler wieder auszubügeln. Klasse Idee! Es folgt mit „All The Way To Me“ ein Highlight dieses Albums. „Es ist nicht wie Rauch, der in die Kleidung zieht, es schneidet sich durch meine Haut und zieht tief ein.“ Von George Jones im Kopfhörer zum Kreuz und dem Gebet auf Knien bringt uns dieser Song. Das nächste Duett, hier mit Elle King, zeigt auf, dass die Verarbeitung von Trennungsschmerz für Frauen anders ist als für Männer. Frauen lassen sich nicht gehen und tun so, als sei es nie Liebe gewesen. „It’s Different For Girls“ beleuchtet die Unterschiede.

„Mardi Gras“ vergleicht die Riesenparty in New Orleans mit einer Frau. Natalie Hemby hat diesen Song nicht nur mitgeschrieben, sondern singt auch großartige Backings zu den Posauneneinlagen von Trombone Shorty, einem lokalen Musiker aus New Orleans. Somit landen wir bei den für mich Standout Tracks dieses Albums. „Light It Up“ ist ein wunderschöner Lovesong, gesanglich unterstützt von Co-Autorin Jessi Alexander, und man darf vermuten, dass hier Dierks Bentley seine Frau adressiert. Wunderbar, textlich wie musikalisch.

Und zum Abschluß hat sich Bentley „Can’t Be Replaced“ aufgehoben, einen Song, der Erinnerungen an „Three Year Old“ wachruft, den Song, der das bereits erwähnte Album von Eric Church abgeschlossen hat. Dierks Bentley erwähnt seinen 15-jährigen Hund Jake, der an Krebs erkrankt ist und eine Chemotherapie erhält. Ein Freund, der nicht ersetzt werden kann. Wiederum wunderbar, und erneut wird er von einer Co-Autorin gesanglich unterstützt. Hier ist es Hillary Lindsey, die mit „Girl Crush“ einen der größten Hits des letzten Jahres geschrieben hat. Das erneut großartige Dobro begeistert zudem nachhaltig.

Fazit: Wer sein Geld auf Dierks Bentley setzt, wird nie eine große Quote erhalten, aber er wird sein Geld auch nie verlieren. Dieser Künstler ist ein Fixpunkt in der aktuellen Country Music, und das völlig zurecht! Er liefert ein ums andere Mal hohe Qualität ab, er ist verlässlich, und für sein brandneues Album „Black“ erhält er von mir satte 4,5 Punkte. Dem Vergleich mit Eric Church’s Album „Mr. Misunderstood“ hält „Black“ dann am Ende nicht ganz stand, obwohl Dierks Bentley ein weiteres Mal ein erstklassiges Album abgeliefert hat.

Dierks Bentley – Black: Das Album

Dierks Bentley - Black

Titel: Black
Künstler: Dierks Bentley
Veröffentlichungstermin: 27. Mai 2016
Label: Capitol Nashville
Vertrieb: Universal Music
Laufzeit: 48:05 Min.
Format: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 13
Genre: Country
Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Black
02. Pick Up
03. I’ll Be The Moon
04. What The Hell Did I Say
05. Somewhere On A Beach
06. Freedom
07. Why Do I Feel
08. Roses And A Time Machine
09. All The Way To Me
10. Different For Girls
11. Mardi Gras
12. Light It Up
13. Can’t Be Replaced

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Über Bernd Wolf (138 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Johnny Cash, Singer & Songwriter. Rezensionen und Biografien.