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Modernes Americana, geerdet in der Folk-Tradition

Trapper Schoepp in Chicago im Konzert und im Gespräch mit Thomas Waldherr.

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Trapper Schoepp und Thomas-Waldherr inChicago Trapper Schoepp und Thomas Waldherr in Chicago. Bildrechte: Thomas Waldherr, Country.de

Immer wieder an diesem Abend bläst Trapper Schoepp in die Mundharmonika, schlägt die Gitarre an und spielt druckvollen Folk-Rock. Man merkt sofort, in welcher Tradition sich der junge Singer-Songwriter einzureihen gedenkt. Bob Dylans frühes Gedicht über einen Hobo, der sich nach Wisconsin als magischem Rückzugsort sehnt, hat Schoepp irgendwann letztes Jahr mit einer Melodie versehen, hat ein paar Lyrics hinzugefügt und dann nahm das Wunder seinen Lauf: „His Bobness“ himself akzeptierte die Co-Autorenschaft mit Trapper und seitdem gehört der zu den wenigen Menschen, die mit Bob Dylan einen Song geschrieben haben. Was für ein Traum für den Jungen, der sich schon früh für die Musiklegende begeisterte, vor einigen Jahren ein Doppelkonzert von Dylan mit Willie Nelson miterleben durfte, und das bereits als Höhepunkt seiner Beziehung zu Dylan betrachtete.

Das Dylan-Ding

Mit dieser Geschichte schaffte es Trapper natürlich auch in den „Rolling Stone“ und sie half ihm, Anfang des Jahres sein drittes Album „Primetime Illusion“ zu promoten. Doch es wäre ein Fehler, wollte man Schoepp auf das Dylan-Ding reduzieren.

An diesem Juniabend im polnischen Viertel von Chicago verlieren sich die Leute erst nach und nach in die Avondale Music Hall. Trapper Schoepp eröffnet für die texanische Country-Rock-Kapelle „Reckless Kelly“ vor nicht allzu großem Publikum. Die Fans der Country-Rocker kommen gerne etwas später, aber immer noch rechtzeitig zum Konzert ihrer Helden.

Doch Trapper lässt sich davon nicht beeindrucken und geht sein Konzert professionell an. Eine Mischung aus Arbeitsethos und Spielfreude treibt ihn an, und lässt ihn einen druckvollen, starken Set spielen. Ganz geerdet in Folk, Folk-Rock und Americana. Er beginnt mit „Freight Train“ von seinem aktuellen Album „Primetime Illusion“. Das Stück erinnert ein bisschen an die 1970er Laurel Canyon-Rockszene und gibt einen guten Opener ab. Doch schon der dritte Song lässt aufhorchen. „What You Do To Her“ ist eine Anklage des sexuellen Missbrauchs und Schoepp unterstützt damit die Sache von #MeToo für die Rechte der Frauen.

Folk-Rocker und Storyteller

Dann kommt bereits „On, Wisconsin“ und er erzählt lustiges über den finanziellen Erfolg, dem ihm jetzt dadurch winken würde. Seine ganze Kraft als Folksänger und Folk-Rock-Storyteller zeigt er dann durch die tragische Geschichte vom „Ferris Wheel“. Die beiden Jungs, die das Riesenrad besteigen, wünschen sich, dass die Fahrt mit ihm niemals endet und genauso kommt es auch. Obwohl alle Maßnahmen ergriffen werden, um es zu stoppen, dreht sich das Rad immer weiter und weiter. Einen kleinen Moment wird es langsamer, doch die Jungs verzichten auf den rettenden Sprung und drehen wohl noch bis in alle Ewigkeit ihre Runden. Eine tragisch-komische, sehr unterhaltsame klassische Moritat ist ihm da gelungen. Am Ende seines Sets steht dann mit „Helpless“ ein absoluter Klassiker aus der Feder von Neil Young. Wieder so ein Säulenheiliger des Folk-Rock. Trapper Schoepp ist eine der Hoffungen des Americana gerade weil er weiß, woher seine Musik kommt und was er mit ihr vorhat.

Klare Kritik an Trump

Auch im Gespräch nach dem Konzert bestätigt er seine Verwurzelung in der Folktradition. „Bei der Folkmusik geht es darum, vorhandenes aufzugreifen, dem etwas Neues, Eigenes hinzuzufügen, und damit die Folk-Geschichte um ein weiteres Kapitel zu bereichern. So wie das Woody Guthrie gemacht hat und nach ihm Bob Dylan. Und so möchte ich auch ein neues Kapitel mit neuen Folksongs schaffen“, erklärt Trapper. Dabei lässt er sich immer wieder von Quellen wie der „Anthology Of American Folkmusik inspirieren: „Daraus kann man am meisten lernen, mehr als bei einem Songwriter-Workshop.“

Als Folksänger, wie er sich versteht findet er dann auch die Themen seiner Songs sowohl bei sich im Privaten, „als auch in der Gesellschaft, bei sozialen oder politischen Entwicklungen und Ereignissen“. Deswegen kann solch ein Song wie „What You Do To Her“ entstehen. Und Trapper setzt sich viel mit den herrschenden Zuständen auseinander und hat eine klare Haltung zu Präsident Trump: „Trump ist wie ein Fleck auf Amerikas Geschichte. Mit ihm ist das Business in das Weiße Haus eingezogen. Trump ist ein TV-Mann und nicht der Mann für die einfachen Leute“.

Respekt für das deutsche Publikum

Für das nächste Jahr hat er schon klare Pläne, er möchte auch wieder nach Deutschland, das Publikum dort schätzt er sehr: „Die hören einfach zu. Die wollen wissen, was Du zu sagen hast“. Vielen Dank, Trapper, dann sehen wir uns nächstes Jahr wieder!

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Über Thomas Waldherr (513 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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