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The Dead South: Sugar & Joy

Die kanadischen Bluegrass-Boys bleiben auch auf ihrem neuen Album ihrer Linie treu: Melodischer Folk- und Bluegrass mit düster-bösen Geschichten aus dem Leben und einer gehörigen Portion Rock-Attitüde in Musik und Habitus.

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The Dead South - Sugar & Joy The Dead South - Sugar & Joy. Bildrechte: DevilDuck Records

Mit „In Hell I’ll Be In Good Company“ gelang The Dead South ein Riesen-Youtube-Hit, der gleichzeitig auch ihre Albenverkäufe und ihre Konzertkarriere befeuerte. Mit ihrem Debütalbum „Good Company“ (2014) und dem Nachfolger „IIlusion And Doubt“ (2016) waren sie seitdem schon mehrfach erfolgreich in Deutschland unterwegs. Nun erscheint dieser Tage ihr neuer Longplayer Sugar & Joy. Und bietet vor allem altbekanntes und altbewährtes. Textlich geht es wieder um das vertrackte Alltagsleben, um Höhenflüge und Abstürze, Liebe, Betrug und Tod, um Gut und Böse und vor allem um das Böse.

Auf den ersten Blick und den ersten gehörten Ton sind „The Dead South“ eine traditionelle Folk/Bluegrass-Stringband. Aber dann: Mandoline, Gitarre und Banjo, dazu aber ein Cello, kein Bass. Dafür ein Banjo, das den Schlagzeuger ersetzt. Und ein Sound, der immer auch ein bisschen nach Elektrifizierung schreit. Denn ihrem inneren sind sie Rocker. Und sind Kanadier und keine Südstaatler. Hier wird kein Gott und kein Jenseits gepriesen. Man lebt im hier und jetzt und muss mit all dem Unheil zurechtkommen. So wie der Protagonist in Diamond Ring. Im Song wird der arme William von einem Möchtegern-Bräutigam beraubt, der versucht, seine Verlobte zu beeindrucken. Geld kauft keine Liebe, aber es kauft den Ring. Weil man(n) Geld und Liebe nicht so richtig unterscheiden kann.

Überhaupt Männer und ihre Vorlieben für Geld und Gewalt. „Sugar & Joy“ ist auch eine finstere Eloge mit immer neuen Variationen zu diesem Thema. „Fat Little Killer Boy“ ist der verstörendste Song des Albums, ein Song wie aus den „Gashlycrumb Tinies“, den bösen Kindergeschichten von Edward Gorey. „Spaghetti“, ein Italo Western mit allen genre-typischen Gewaltdarstellungen. Und auch „Heaven In A Wheelbarrow“ ist trotz seiner lustigen Melodie ein eigentümlich tragisches Lied, denn „Goin‘ To Heaven In A Wheelbarrow“ ist eine angelsächsische Umschreibung für eine Katastrophe: „Man geht zur Hölle“.

Wie sehr Melodie und Text kontrastieren können und wie The Dead South das gekonnt stilisieren, zeigt schließlich auch „Alabama People“. Dem US-Bundestaat und seinen Menschen, die schon der Auseinandersetzung zwischen „Lynyrd Skynyrd“ und Neil Young (Kanadier!) Anlass für eine Kontroverse zwischen Romantisierung und realem Rassismus gaben, wird hier eine verstörende musikalische Hymne gewidmet. Der lieblich beginnende Text – „Friendly people in Alabama, Lovely people in Alabama“, Happy people in Alabama“ will so gar nicht zu der recht bedrohlichen Melodie passen, bis es kippt: „Hungry people in Alabama, Broken people in Alabama, Lonely people in Alabama“. Nur um am Ende zusammenzufassen: „All the people in Alabama, All the people in Alabama, All the people in Alabama, All the people in Alabama“. Besser kann man die Widersprüchlichkeit des tiefen Südens nicht ausdrücken: Die Gastfreundschaft, das Herzliche wohnen in diesem Landstrich ebenso wie Armut, Einsamkeit und Rassismus.

Und so drücken Nate Hilts (Gesang, Gitarre, Mandoline), Scott Pringle (Gitarre, Mandoline, Gesang), Danny Kenyon (Cello, Gesang) und Colton Crawford (Banjo) mit ihrer Musik ihre Liebe zu dieser Region und ihrer Musik aus, die die Realität nicht ausspart. Im Gegenteil, durch ihre manchmal auch Comedy-hafte Überzeichnung des „alten, gefährlichen Amerika“ (Greil Marcus) wird beklemmend deutlich, dass dieses Amerika in großen Teilen der USA nicht nur nicht tot ist, sondern im Gegenteil fröhliche Urstände feiert. Und so könnte der einzige Kritikpunkt am ansonsten stimmigen musikalischen Konzept der Band sein, dass man das Ding allzu abgebrührt und mit zu viel Lakonie durchzieht. Denn „Who cares?“ sollte nicht die Antwort auf alle diese Fragen sein.

Fazit: Eine schönes Album, das auch wieder große Live-Erlebnisse verspricht. Große musikalische Könner und Geschichtenerzähler sind die Jungs aus Kanada. Eine der interessantesten Neo-Folk-Bands dieser Tage.

The Dead South – Sugar & Joy: Das Album

The Dead South - Sugar & Joy

Titel: Sugar & Joy
Künstler: The Dead South
Veröffentlichungstermin: 11. Oktober 2019
Label: DevilDuck Records
Vertrieb: Indigo
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 40:26 Min.
Tracks: 13
Genre: Bluegrass, Neo-Folk, Americana

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Trackliste: (Sugar & Joy)

01. Act Of Approach
02. Diamond Ring
03. Blue Trash
04. Black Lung
05. Fat Little Killer Boy
06. Broken Cowboy
07. Snake Man Pt. 1
08. Snake Man Pt. 2
09. Heaven In A Wheelbarrow
10. Crawdaddy Served Cold
11. Alabama People
12. Spaghetti
13. Distance Oneself

The Dead South: Deutschland-Tour 2020

27. März in Hamburg, Docks
01. April in Berlin, Columbiahalle
02. April in Hannover, Capitol
03. April in Leipzig, Werk2
05. April in Wien, Gasometer
07. April in Zürich, Volkshaus
08. April in München, Tonhalle
09. April in Frankfurt, Batschkapp
11. April in Köln, E-Werk

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Über Thomas Waldherr (522 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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