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Jason Isbell And The 400 Unit: Reunions

Das neue Album des Americana-Stars ist eine Reise des Künstlers in die eigene Vergangenheit. Ein Werk voll melancholischer Schönheit.

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Jason Isbell And The 400 Unit - Reunions Jason Isbell And The 400 Unit - Reunions. Bildrechte: Southeastern Records (Membran)

Die Geschichte von Jason Isbell ist mittlerweile eine Americana-Legende. Aufgewachsen in Green Hill, Alabama, verlebt er eine Kindheit voller Probleme und gerät in den Teufelskreis von Sucht und Depression. Trotzdem oder gerade deswegen wird er Musiker und Songwriter und steigt bei der Southern Rock Band „Drive-by Truckers“ ein. Deren Bassistin Shonna Tucker wird seine Frau, die Ehe scheitert ein paar Jahre später an seinem Alkohol- und Drogenkonsum und er steigt 2007 bei den „Truckers“ aus. Er tourt extensiv und veröffentlicht Solo-Alben unterstützt von der Band 400 Unit. Deren Geigerin Amanda Shires wird seine neue Lebenspartnerin und hilft ihm bei einer Entziehungskur. Endlich nüchtern, bringt er das Erfolgsalbum „Southeastern“ heraus, heiratet Amanda, bringt weitere Erfolgsalben heraus, und bekommt mit Amanda eine gemeinsame Tochter. Im Herbst 2018 erscheint mit „Live From The Ryman“ eine Live-Retrospektive der Songs seiner Erfolgsalben. Jason Isbell ist auf seinem ersten kreativen Höhepunkt und wird weithin als einer der besten Songschreiber gefeiert.

Und genau auf dieser Fallhöhe setzt sein erstes Album – Reunions, mit Originalsongs seit drei Jahren an. „Erfolg ist ein sehr schönes Problem, aber ich frage mich, wie ich es durchstehen kann und nicht das verliere, was mich überhaupt erst gut gemacht hat“, sagt Jason Isbell. „Viele dieser Songs und das Gesamtkonzept dieses Albums ist, wie ich als Künstler und Mensch vorankomme und trotzdem den gleichen Antrieb behalte, den ich hatte, als ich in beiderlei Hinsicht noch nicht ganz so weit war.“

Also begibt sich Isbell quasi in die innere Zeitmaschine und reist zurück zu seinem früheren Ich. In seine Kindheit, als er Kind von Eltern war, die selber fast noch Kinder waren und damit nicht zu Recht kamen und sich trennten. Zurück in die Jugend wo er in einer anderen Stadt neue Freunde finden musste und oftmals Spott erntete. Davon handelt das beeindruckende „Dreamsicle“. Der Song zeigt nochmal deutlich, wie es Isbell versteht, auf bekannten Country-Bildern ganz andere Geschichte aufzusetzen. Isbell erzählt schonungslos von den Beladenen und Verlierern des armen Südens, aber er erzählt es aus eigener Erfahrung. Das macht ihn so populär.

„Es gibt viele Geister auf diesem Album. Manchmal geht es in den Songs um die Geister von Menschen, die nicht mehr da sind, aber es geht auch darum, wer ich früher war, der Geist von mir selbst“, sagt Isbell in einer Pressemitteilung. Um solch einen Jugendfreund geht es in „Only Children“. Ein Freund mit dem er Musik gemacht, Demo-Tapes ausgenommen und Songs geschrieben hat. Auch hier wird Isbells Songwriter-Kunst offenbar. Er trägt nicht dick auf, er kramt nicht in der Metaphern-Schublade, nein er zeichnet die Bilder in Andeutungen, hauchzart, so dass die Phantasie Bilder und Geschichten aufgreifen kann.
“ Ich habe Songs geschrieben, die vor 15 Jahren schreiben wollte, aber damals hatte ich noch nicht genug Songs geschrieben, um zu wissen, wie es geht. Gerade jetzt konnte ich es zu meiner eigenen Zufriedenheit schaffen. In diesem Sinne ist es ein Wiedersehen mit dem Ich, das ich damals war“, sagt der erfolgreiche Songwriter.

Und so erzählt er in „Overseas“ von seiner ehemaligen Frau, die vor seinen Dämonen geflohen ist und kehrt in den weiteren Songs des Albums noch an einige frühere Lebensstationen zurück. In einem Interview hat er jüngst gesagt, es sei für ihn ganz wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, wie tief unten er war, um nicht wieder leichtfertig alles zu verspielen.

Auf der Höhe vergewissert sich Isbell seiner selbst. Entstanden ist das vielleicht intimste Album seiner Karriere. Die Schilderungen des Lebens im Süden und seine persönlichen Erlebnisse hielten sich auf seinen Alben immer die Waage. In „Reunions“ geht es ausschließlich um ihn. Er brauchte diesen Rückblick jetzt, um wieder nach vorne blicken zu können.

Fazit: „Reunions“ ist das Dokument einer Läuterung, ein Rückblick auf die Schmerzen und Dämonen und dem Absprung den man geschafft hat. Das Album enthält ehrliche, traurige, melancholische Musik, die berührt. Ganz stark!

Jason Isbell And The 400 Unit – Reunions: Das Album

Jason Isbell And The 400 Unit - Reunions

Albumtitel: Reunions
Künstler: Jason Isbell And The 400 Unit
Erscheinungsdatum: 15. Mai 2020
Label: Southeastern Records (Membran)
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 41:10 Min.
Tracks: 10
Genre: Alternative Country, Americana

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Trackliste: (Reunions)

01. What’ve I Done to Help
02. Dreamsicle
03. Only Children
04. Overseas
05. Running With Our Eyes Closed
06. River
07. Be Afraid
08. St. Peter’s Autograph
09. It Gets Easier
10. Letting You Go

Jason Isbell And The 400 Unit – Die Deutschlandkonzerte

10.11.2020 in Berlin, Festsaal Kreuzberg
15.11.2020 in Köln, Gloria

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Über Thomas Waldherr (561 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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