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Old Crow Medicine Show: Paint This Town

Die String Band-Jungs sind zurück zu ATO Records und alter Form und legen eines ihrer besten Alben vor: Musikalisch mitreißend und gesellschaftlich engagiert.

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Old Crow Medicine Show - Paint This Town Old Crow Medicine Show - Paint This Town. Bildrechte: ATO Records

Irgendwie seinen sie es gemerkt zu haben. Der vor sechs Jahren vollzogene Schritt zu Columbia Records Nashville, eingeleitet mit ihrem feinen Tribute zu Bob Dylans „Blonde On Blonde“, entpuppte sich immer mehr als Sackgasse. Erstarrt in ihrer eigenen Legende, auf dem Weg zur Mainstream-Wohlfühl-Nostalgie. Doch seit 2020 die Black Lives Matter-Proteste nach der Ermordung von George Floyd, die Corona-Krise und der politische Wahn eines Donald Trump Amerika politisch aufwühlten, da wurde bei den Crows ein Feuer neu entfacht, das sie früher auszeichnete: Sie standen für Punk meets Old Time, für das andere Nashville jenseits der gleichförmig konfektionierten Mainstream-Musik.

Den Zustand Amerikas thematisiert

Also veröffentlichten sie im letzten Jahr drei Titel, die allesamt den Zustand Amerikas und der Welt thematisierten: „Nashville Rising“, „Quarantined“ und „Pray For America“. Außerdem nahmen Old Crow Medicine Show ein Duett mit Keb‘ Mo‘ mit dem Titel „The Medicine Man“ auf, das dieser mit auf sein kürzlich erschienenes neues Album nahm. Sie erzählten inmitten der Ant-Rassismus-Proteste vom Rassimus in der Grand Ole Opry, deren Opfer ihr früher Star DeFord Bailey wurde, und sie taten sich mit der Filmemacherin Julia Golonka zusammen, um ein Video für ihren 2008 veröffentlichten Song „Motel In Memphis“ zu drehen, mit dem sie Spenden für die in Nashville ansässige Basisorganisation Gideon’s Army sammelten.

Zurück zu ATO Records

Da war es dann auch konsequent, wieder zurück zu ATO Records zu gehen. Dem Label, bei dem sie endgültig in die Erfolgsspur kamen und ihre 2012er Album „Carry Me Back“ und ihren 2014er Durchbruch „Remedy“, das 2015 den GRAMMY für das beste Folk Album bekamen. Am 22. April erscheint nun ihr neues Album Paint The Town, das an ihr Erfolgsrezept anknüpft und neben jederzeit unterhaltsamer, packender Musik auch die ernsten Themen und Fragestellungen der amerikanischen Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt.

Small Town Boys

Warum sie das so überzeugend und glaubhaft tun können, zeigt bereits der Titeltrack. Sie sind „Small Town Boys“, die aber stets ausbrechen wollten, weil bei aller Liebe diese Orte einfach zu eng und grau sind. Das haben sie geschafft, kennen aber ihre Wurzeln und verstehen die Menschen des „Fly Over Country“ und deren Sorgen und wollen sie nicht politischen Scharlatanen überlassen. „In diesem Song geht es darum, in einer Kleinstadt aufzuwachsen und sich überall zu amüsieren, wo man es finden kann“, erklärt Bandleader Ketch Secor. „Unsere Band hat sich schon immer von diesen uramerikanischen Orten inspirieren lassen, wo Wassertürme zu Ortsnamen werden, wo das Waffle House und die Tankstelle die einzigen Orte sind, an denen man sich trifft – das ist die Kulisse für Folkmusik im 21. Jahrhundert. Und die John Henrys und Casey Jones von heute sind die jungen Leute, die sich aus diesen alten Dörfern erheben, unbeirrt, unbesiegt und immer noch in Bewegung.“

Songwriting auf hohem Niveau

„Gloryland“ beschwört immer noch den Optimismus, das in Amerika Gutes möglich ist. In „DeFord Rides Again“ setzen sie dem frühen Countrystar ein Denkmal und besingen in „New Mississippi Flag“ die neue Fahne des Bundesstaates, die die alte, von der unseligen Konförderierten Flagge abgeleitete, ersetzte. Aber auch persönlicher gehaltene Songs wie „Bombs Away“ oder „Lord willing and the creek don’t rise“ sind auf hohem musikalischen und textlichen Niveau gehalten.

Dass ihr Songwriting sich hier wieder auf gutem Niveau bewegt, scheint auch damit zu tun haben, dass sich die Jungs wieder verstärkt Bob Dylan zuwenden, was Erzählweise und Metaphorik angeht. Bei „John Browns Dream“ gelingt ihnen sogar eine Sythese aus Dylans Anti-Kriegs-Song „John Brown“, der für den namenlosen Soldaten als Opfer jedes Krieges steht, und der Legende des militanten Abolitionisten John Brown, der 1859 in Virginia gehängt wurde. Die Melodie folgt Dylans Melodie, die Crows setzen einen drastischen Text über die Hinrichtung John Browns drauf und ein ebenso drastisches Old Time Punk-Arrangement.

Fazit: Die Crows schwingen sich zu alter, neuer Stärke auf. Weiterhin unterhaltsam, kreativer, engagierter und reflektierter denn je. Erwachsen geworden, ohne langweilig zu sein: Best Countryband ever!

Old Crow Medicine Show – Paint This Town: Das 2022er Album

Old Crow Medicine Show - Paint This Town

Titel: Paint This Town
Künstler: Old Crow Medicine Show
Veröffentlichungstermin: 22. April 2022
Label und Vertrieb: PIAS, ATO Records (Rough Trade)
Formate: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 12
Genre: Country, Folk, Americana

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Trackliste: (Paint This Town)

01. Paint This Town
02. Bombs Away
03. Gloryland
04. Lord Willing And The Creek Don’t Rise
05. Honey Chile
06. Reasons To Run
07. Painkiller
08. Used To Be A Mountain
09. DeFord Rides Again
10. New Mississippi Flag
11. John Brown’s Dream
12. Hillbilly Boy

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Über Thomas Waldherr (681 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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