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Johnny Cash: Meine Arme sind zu kurz, um mit Gott zu boxen

Untertitel: Der Man in Black und seine Glaubenskrise

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Johnny Cash - Meine Arme sind zu kurz, um mit Gott zu boxen Johnny Cash - Meine Arme sind zu kurz, um mit Gott zu boxen. Bildrechte, Cover: Adeo Verlag

Ein neues Buch aus Deutschland landete vor Kurzem auf meinem Schreibtisch. Der Autor, Matthias Huff, war mir bisher unbekannt. Der Adeo Verlag, bei dem wir uns herzlichst für die freundliche Zusammenarbeit und das Rezensionsexemplar bedanken möchten, hat das Buch herausgegeben. Im Werbeprospekt des Verlages wird das Buch wie folgt beschrieben:

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„Zerrissen zwischen Sünde und Erlösung. Er war berüchtigt für Exzesse im Drogenrausch – und überzeugter Christ. Als größter Rockstar neben Elvis Presley war Johnny Cash einer der einflussreichsten Musiker des letzten Jahrhunderts. Mit Kennerblick hat Musikexperte Matthias Huff hinter die düstere Fassade von Cash geblickt und ungeahnte Einblicke gewonnen, die das bisher unvollständige Bild der tiefgläubigen Musiklegende ergänzen und vertiefen.“

Nun, der Ansatz ist in der Tat anders als bei anderen Büchern, wenn auch nicht ganz neu. Es gab bereits Bücher, die die christliche Seite des Johnny Cash beleuchtet haben. Matthias Huff (Dr. Matthias Huff, um genau zu sein) fremdelt allerdings nicht mit der Musik, so wie die Personen, die seinerzeit die erste Autobiografie Cashs „Man In Black“ übersetzt und als „Der Mann in schwarz“ in Deutschland herausgaben. Huff weiß, wovon und von wem er schreibt, und er wird als „Johnny-Cash-Fan seit seiner Kindheit“ im Innenteil des Schutzumschlags beschrieben.

Huff hat sich eine gewaltige Arbeit gemacht mit diesem Werk! In einem Vorwort und fünfzehn Kapiteln, die keineswegs der Chronologie von Cashs Leben folgen, sondern thematisch sortiert sind („Erlösung“, „Baumwollfelder“, Tenniestar“, „Wurzeln“ lauten die Titel der ersten vier Kapitel), versucht Huff, den Man in Black von einer anderen Seite zu zeigen und zu entschlüsseln. Natürlich folgt auch dieses Buch irgendwo einer Timeline, aber Huff versucht, das jeweilige Thema eines Kapitels mit Hilfe von Songs, Zitaten, Ereignissen darzustellen, und diese holt er sich aus beliebigen Phasen des Lebens und der Karriere Cashs.

Sein Doktortitel weist auf den Wissenschaftler hin, und so sind in allen Kapiteln Hinweise auf Anmerkungen zu finden, die, sauber nach Kapiteln sortiert und kapitelintern durchnummeriert, immerhin stolze 23 Seiten am Ende des Buches einnehmen. Längst nicht immer sind es reine Quellenhinweise, sondern oft auch ausformulierte Anmerkungen. Ich gebe offen zu, dass ich als Katholik z.B. die Querverweise auf Martin Luther ebenso mit Interesse lese als auch inhaltlich so hinnehmen muss, weil das mein Wissensgebiet übersteigt.

In grau markierten Kästen, die sich unregelmäßig, aber in nicht geringer Zahl durch das Buch ziehen, findet man Zitate aus der Bibel, die zu der jeweiligen These oder Einschätzung des Autors passen. Ich weiß, dass ich dieses Buch nochmal lesen muss oder immer wieder zur Hand nehmen werde, um es in seiner Komplexität noch besser zu würdigen. Dafür fehlte mir im Hinblick auf diese Rezension die Zeit. Insofern ist dies auch ein Buch, das sicherlich inspirieren soll, aber auch einen gewissen Intellekt anspricht.

Bei all der aufwändigen Recherchearbeit bin ich hier und da über ein paar faktische Unsauberkeiten gestolpert, die mir zwar direkt ins Auge sprangen, aber das Gesamtbild des Buches nicht trüben sollten. Eine Sache jedoch möchte ich anmerken: Der Autor erzählt vom ersten Song, den Johnny Cash bei der ersten Audition Sam Philips, dem Gründer von SUN Records vorgespielt hat, nämlich „I Was There When It Happened“, einem großen Hit von Jimmie Davis, den Cash später mehrfach aufgenommen hat. Jeder hat diese Szene aus „Walk The Line“ sicher vor Augen. Mark Stielper jedoch, der „Family Historian“ (Familienhistoriker) des „Cash/Carter Clans“, schreibt in seinem ebenfalls gerade in Deutschland erschienen Buch „Johnny Cash – The Life In Lyrics“ (siehe separate Rezension dazu), dass der erste Song, den Johnny Cash bei einer nicht konservierten Audition Sam Philips vorspielte, „Belshazzar“ war, ein von Cash geschriebener (Gospel) Song über eine Geschichte aus der Bibel. Huff erläutert den Jimmie Davis Song, in allen Einzelheiten. Jedoch wage ich zu behaupten, dass Johnny Cash nichts Anderes im Sinn hatte als diese Audition erfolgreich abzuschließen. Es ging nicht um Jesus und den Glauben, sondern darum, bei SUN Records einen Fuß in die Tür zu bekommen (was ja dann mit „Hey Porter“ und „Cry Cry Cry“ auch gelang).

Für mich ist dieses Buch quasi der Gegenpol zum Buch „The Beast In Me – Johnny Cash… und die schöne und seltsame Welt der Countrymusik“ von Franz Dobler (erschienen 2004), das, so empfand ich es seinerzeit, die Existenz des Gospelsängers und Christen Johnny Cash völlig ignoriert. Ich persönlich habe Johnny Cash, bei all seinen Eskapaden, „Drogenexzessen“ und der so oft beschriebenen dunklen Seite, immer als Geschichtenerzähler und oft auch als musikalischen Historiker angesehen und geschätzt.

Johnny Cash – Meine Arme sind zu kurz, um mit Gott zu boxen: Das Buch

Cash – I See A Darkness

Titel: Johnny Cash – Meine Arme sind zu kurz, um mit Gott zu boxen
Autor: Matthias Huff
Veröffentlichungstermin: 1. August 2023
Verlag: Adeo Verlag
Format: Buch
Seiten: 256 Seiten
Sprache: Deutsch

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Das Buch hat einen sehr schönen Schutzumschlag und ist schwarz-weiß bebildert. Auf gut 200 Seiten inkl. Anmerkungen nimmt Matthias Huff Sie mit auf seine Beobachtungen. Fühlen Sie sich eingeladen, Johnny Cash einmal mit Fokus auf seinen Glauben kennenzulernen.

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Über Bernd Wolf (146 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Johnny Cash, Singer & Songwriter. Rezensionen und Biografien.