Beiträge von Friedrich Hog
Die junge Sängerin Tabea Anderfuhren aus der Schweiz und der bekannte Fiddler Aaron Till aus den USA waren am Samstag, den 29. November im Rahmen ihrer einmonatigen gemeinsamen Europatournee zu Gast in Großkötz. In der dortigen Sportgaststätte sangen und spielten sie für ein entzücktes Publikum, das die Gäste nicht ohne mehrere Zugaben weiterreisen ließ.
Aaron Till war von 1998 bis 2006 der Fiddler in der Band von Mark Chesnutt. In den 1990er Jahren gehörte Chesnutt zu den erfolgreichsten Hitjägern der Countryszene in Amerika. Als Begleitmusiker von Todd Fritsch hatte Aaron Till im August 2006 in der Schweiz gespielt und die dort aktive Countrysängerin Tabea Anderfuhren kennengelernt, deren damaliger Fiddler von Aaron Till geschwärmt und Tabea auf diese Weise zum Konzertbesuch bewegt hatte. Nach dem Gastspiel von Todd Fritsch hatte Tabea Aaron Till angesprochen. Seither ist kaum ein Tag vergangen, an dem die beiden nicht miteinander korrespondiert haben oder gemeinsam auf Tournee waren. Tabea Anderfuhren hat im Rahmen eines Besuchs in Nashville, Tennessee ihre CD “Who Can Ever Tell” eingespielt, produziert von Aaron Till, der auch als Musiker agierte und befreundete Topmusiker mit an Bord brachte, die im Übrigen u.a. auf der diesjährigen Grammy-CD “The Bluegrass Diaries” von Jim Lauderdale mitwirken.
Flaco Jimenez & Los Texmaniacs waren angesagt am Samstag, den 04. Oktober 2008 im Four Corners in Untermeitingen. Barry P. Foley hatte als Opening Act versucht, die Kälte aus der Music Hall zu vertreiben, sehr schön ist seine selbst verfasste neue Single “Airport Love Story”. Inzwischen wohnt der amerikanische Singer & Songwriter nicht mehr in Stuttgart, sondern in Franken.
Los Texmaniacs heizten sodann ein, ein Quintett zwischen Blues, Rock, Tex-Mex und Country. Ein funky gespielter E-Bass, elektrische Gitarre eines farbigen Bluesman und vielseitig bedientes Schlagzeug verlangten dem Publikum einen großen Ausflug weg vom Country in andere Gegenden amerikanischer Roots Music ab, wie sie ergänzt durch Bajo Sexto und Akkordeon aber im heimatlichen San Antonio, Texas gerne gespielt wird. Sehr dynamisch, kraftvoll und laut startete die Formation mit “It Was Good While It Lasted”. Cumbia in spanischer Sprache, Tex-Mex bei “Open Up Your Heart” und Blues gaben sich die Ehre.
Berlin, München, Stuttgart innerhalb von drei Tagen, so gestaltete sich die Deutschland-Tournee von Emmylou Harris & The Red Dirt Boys im September 2008. Ins Vorprogramm geholt hat sich Emmylou ihre langjährige Freundin Kimmie Rhodes aus Spicewood, Texas. Gemeinsam gestalteten sie am Donnerstag, den 18. September 2008 einen in jeder Hinsicht stimmigen Liederabend im weitestgehend vollbesetzten Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart.
Pünktlich um 20.00 Uhr betraten Kimmie Rhodes, ihr Ehemann Joe Gracey, mit dem sie seit 25 Jahren verheiratet ist, und ihr Sohn Gabriel Rhodes die Bühne. Kimmie fühlte sich sichtlich wohl im schönen Ambiente und meinte, sie könne gar nicht glücklicher sein, schließlich sei sie mit ihrer Familie zusammen, während sie auf Tour ist. Kimmie Rhodes an akustischer Rhythmusgitarre, Gabe Rhodes an der akustischen Leadgitarre und Joe Gracey am elektrischen Bass bildeten eine eingespielte Einheit, die mit den feinfühligen Liedern von Kimmie bestens umgehen konnte. Ihre Musik erzählt vom heimatlichen “West Texas Heaven” oder von Themen im ebenfalls heimatlichen Umfeld der Grenze zu Mexiko, “Contrabandista”. Gabe’s Bottleneck Guitar erweckte “I Just Drove By” zu echtem Leben und die Gefühle standen beim melodiösen “Just One Love” im Vordergrund. Der wunderschöne Titelsong ihrer sehr gelungenen aktuellen CD “Walls Fall Down” ist in einer Umgebung und Zeit entstanden, die Texas feindselig zeigt gegenüber Mexiko, indem die noch amtierende US-Regierung unter George W. Bush die Grenzbefestigungen im Wege des Baues einer acht Fuß hohen Mauer verstärkt, damit die Menschen noch mehr voneinander getrennt werden, als das ohnehin schon der Fall ist. Kimmie steuert mit der Erkenntnis dagegen, dass Mauern fallen und hofft natürlich, durch ihre Musik entsprechende Anregungen geben zu können. Kimmie und Gabe überzeugten im gesanglichen Duett bei Townes Van Zandt’s “If I Needed You”. Ihre Komposition “God’s Acre” handelte von einem Friedhof in North Carolina. Die Stimme von Kimmie Rhodes ist jener von Emmylou Harris nicht unähnlich, klingt sehr klar und frisch und ist daher eine echte Bereicherung auf jeder Bühne, am 25. April 2009 kann man Kimmie Rhodes im Pfleghofsaal in Langenau bei Ulm einen kompletten Abend lang live erleben und genießen.
Im gut besuchten Schützenhaus Leipheim begeisterte am Donnerstag, den 14. August 2008 die Kim Carson-Band. Die extreme Wetterlage sorgte mit ihren Vorboten dafür, dass das Konzert nicht “Open Air”, sondern im Saal stattfand. Dort stellte sich von Anfang an eine einzigartige Harmonie zwischen Musikern und Publikum ein, die schon typisch ist für Kim Carson, schließlich verbringt die Sängerin aus Texas bzw. Louisiana jedes Jahr mehrere Monate in Europa, jeweils nicht ohne bei den Countryfreunden in Kötz vorbeizuschauen.
Wie eine alte Vertraute wird Kim Carson inzwischen beim Kötzer Verein jedes Jahr aufgenommen, so auch am Donnerstag, als um 20.30 Uhr pünktlich ihr Konzert im Schützenhaus Leipheim begann. Mit gewohnt prägender Spielfreude eröffnete Kim Carson mit dem Willie-Nelson-Klassiker “Whiskey River” den Abend, der typische Honky Tonk Music im mid-tempo-Stil bot, wie sie in vielen Dance Halls und Kneipen in Texas oder Louisiana zu hören ist. Getanzt wurde in Leipheim nur am Rande, das Zuhören stand offenbar im Vordergrund. Das lohnte sich bei der angenehmen Lautstärke und dem warmen Klang der Musik, der schönen Stimme von Kim, und ihren Liedern mit Wiedererkennungswert. Im “I-10 Westbound Blues” berichtete Kim von den Staus auf dem amerikanischen Highway, der ihre Ost-West-Fahrten immer wieder begleitet, vielleicht sollte sie sich mal ein Flugticket leisten, so ihre Quintessenz. Mit Jessi Colter’s “I’m Not Lisa” brachte Kim eine ergreifende Ballade über einen Mann, der von seiner Frau mit der Realität konfrontiert wird, dass sie eben sie ist und nicht Lisa, von der er offenbar träumt. Johnny Falstaff aus Houston, Texas, der wie im Vorjahr die elektrische Gitarre bediente, sang u.a. “alten” Ray Price, den Buck Owens Klassiker “Above & Beyond” und die Eigenkomposition “Shine”. Seine sehr schöne Stimme wurde mit viel Beifall belohnt, zumal er die authentische frühe Honky Tonk Music sehr überzeugend rüberbringt.
Das Alte Sportheim in Illerberg erlebte am Donnerstag, den 31. Juli 2008 hochklassigen Bluegrass aus Tschechien. Die jungen Musiker der Band Kreni zeigten auf den sechs klassischen Instrumenten dieser Stilrichtung der Country Music Können und Spielwitz. Ihre Improvisationen rissen das zahlreich erschienene Publikum zu Szenenapplaus hin, was die Band entsprechend beflügelte und von 20 Uhr bis weit nach 23 Uhr aktiv hielt.
Auf dem Weg zum französischen Bluegrass Festival in La Roche-sur-Foron machten Kreni Station in Illerberg. Ihre Musik ist dem traditionellen Bluegrass zuzuordnen, sehr sauber gespielt auf Mandoline, Banjo, akustischer Gitarre, Kontrabass, Fiddle und Resonatorgitarre. Fünf junge Musiker von denen drei auch gesanglich einzeln bzw. in mehrstimmigem Satzgesang aktiv werden, bilden Kreni. Sie brachten Lieder aus ihren drei bisher veröffentlichten CDs – “Tohle Já Znám” (August 2003), “Leaving Home” (Mai 2005) und “For Sale” (Mai 2007) – wie “How Can You Live Without Love”. Dazwischen ließen Kreni auch Klassiker des Genres erklingen, z.B. “Love Please Come Home To Me” oder “I’m A Rambler”: verlieb Dich nicht in mich, denn ich werde weiterziehen.
Die neunfachen Grammy-Gewinner Asleep At The Wheel feierten einen großartigen Erfolg im voll besetzten Four Corners in Untermeitingen, zwischen Augsburg und Landsberg gelegen. Am Montag, den 21. Juli brachten sie 2 Stunden lang Country Music mit Steel Guitar und Fiddle zu Gehör, Western Swing in Vollendung. Die siebenköpfige Band hat durchweg für Begeisterung gesorgt und erwies sich als 5 Mal besser, als die “average band”, die man überall hört.
Ray Benson und seine insgesamt siebenköpfige Band Asleep At The Wheel laufen bereits auf ihr 40-jähriges Jubiläum zu. Ihr Markenzeichen ist der Western Swing, der in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts insbesondere in Texas, Oklahoma und Kalifornien die beliebteste Tanzmusik darstellte. Bob Wills & The Texas Playboys hatten Musikgeschichte geschrieben, bis Mitte der 50er Jahre der Rock’n'Roll dem Western Swing den Rang ablief und die Musik sukzessive auf dem Rückzug war. Erst durch Schallplattenaufnahmen von Merle Haggard in den 60er Jahren, die dem “verdammt besten Fiddle Spieler der Welt”, Bob Wills, gewidmet waren, “A Tribute To The Best Damn Fiddle Player in The World”, kam eine neue Generation von Musikern und Fans auf den Geschmack. Asleep At The Wheel und Commander Cody & The Lost Planet Airmen waren die wichtigsten Formationen des Western Swing Revivals der 70er Jahre.
Die amerikanische Countrykünstlerin Gail Davies und ihre Band sorgten am Samstag, den 19. Juli 2008 im Pfleghofsaal Langenau im Rahmen eines Gastspiels bei den Country & Western Friends Koetz 1982 e.V. für große Begeisterung. Der auf beiden Ebenen gut besetzte Pfleghofsaal erlebte mit Gail Davies eine Sängerin, die nichts von der Ausstrahlung und ihren stimmlichen Fähigkeiten aus den großen Tagen der Hitparadenerfolge verloren hat, die mit Inhalten und Melodien arbeitet und die mit handgemachter Musik die Zuhörer direkter erreichte, als dies mit allen elektronischen Mitteln je hätte der Fall sein können.
Obwohl Gail Davies am 05. Juni ihren 60. Geburtstag gefeiert hat und in den USA nicht mehr auf Tournee geht, abgesehen von vereinzelten Auftritten in der Stadt, in der sie lebt, Music City USA, Nashville, Tennessee, macht sie auf der Bühne noch eine richtig gute Figur. Sie bewies dies im Rahmen ihrer Europatournee im gemütlichen Pfleghofsaal Langenau, wo sie mit ihren qualitativ hochwertigen Liedern in zwei ausführlichen Sets voll überzeugte.
Am Montag, den 14. Juli 2008 machte Kris Kristofferson im Rahmen seiner Europatournee in München Station. Der Mann, seine akustische Gitarre und seine Mundharmonika waren in Verbindung mit den von ihm selbst verfassten Liedern Anziehungspunkt für viele Fans, die nicht nur aus München selbst angereist waren. Weshalb er sich die Strapazen einer Tournee noch antut, konnte der Weltstar Jahrgang 1936 im Rahmen seiner 30 Minuten andauernden Zugaben sich und seinen Fans in mitten “Standing Ovations” am praktischen Beispiel beantworten.
Pünktlich um 20:00 Uhr erschien Kris Kristofferson auf der Bühne, schwarz gekleidet, neben ihm nur der Tisch mit einem Energy Drink, dazu ein Ständer für das Gesangsmikrophon, zwei Monitorboxen und drei Mal zwei Scheinwerfer. Sehr aufgeräumt also die Bühne, passend zum Gesamtauftritt des Meisters, der sehr stimmig herüberkommt, in sich ruhend, souverän, wissend um die Probleme in der Welt und die Möglichkeiten und Verpflichtungen, Dinge zu bewegen. “Me & Bobby McGee” bereits als drittes Lied, Janis Joplin hatte mit ihrer Aufnahme hiervon posthum einen Welthit gelandet. In “Johnny Lobo” beschreibt Kristofferson die Lebensgeschichte von John Trudell, einem Mann, der das Wort “Meinungsfreiheit” ernst genommen hatte, in einer Zeit, in der die amerikanische Flagge ähnlich wie heute von den Machthabern entehrt worden war, der symbolisch ein Exemplar verbrannt hatte und der wenige Stunden später erfahren musste, dass man sein Haus angezündet hat, in dem seine Frau und seine Kinder verbrannt sind, der den Mord an seiner Familie nie aufgeklärt bekam, der Politiker war, Indianer, heute Singer-Songwriter ist mit entsprechender über 25-jähriger Geschichte.
Am Samstag, den 03. Mai 2008 fand in Bühl das 6. Internationale Bühler Bluegrass Festival statt. Mit einer großen Bandbreite an akustischer Musik und der Ankündigung, 2009 das Festival auf zwei Tage auszudehnen, erlebte die Veranstaltung heuer eine enorme Fortentwicklung. Die weiter zunehmende Besucherzahl belegt den richtigen Weg der Veranstalter.
Los ging’s pünktlich um 10:30 Uhr auf dem Johannesplatz in der Bühler Fußgängerzone bei strahlender Sonne und angenehmer Wärme. Was unter dem Motto “Bühl macht blau” angekündigt war, wurde mit Don Rigsby & Midnight Call aus Kentucky in Szene gesetzt und vom zahlreich erschienenen Publikum äußerst positiv aufgenommen. Vor dem Rathaus erlebte gegen 12 Uhr die finnisch-norwegische Instrumentalgruppe Frigg ebenfalls sehr guten Zuschauerzuspruch.
Ein Folkduo, die Einflüsse sind Old Time Music, Bluegrass, ein wenig die Hippie-Kultur, sicher Bob Wills, Hank Williams und Townes Van Zandt. Ihre Bühnenshow am Montag, den 21. Mai 2007 im Alten Sportheim Vöhringen-Illerberg war wieder ein wahres Schauspiel und ein Traum für alle, die ein offenes Ohr haben für musikalisch erzählte Geschichten und Gedichte, absolut virtuos in Szene gesetzt von Donna Henschell an Gesang und Fiddle, sowie Kelly Mulhollan an Gesang, Clawhammer Banjo, Gitarre und Mandoline. Mit drei ausführlichen Sets erfreuten Still On The Hill ihr Publikum, das die Kultstätte diesmal bedauerlicherweise nicht ganz gefüllt hat. Die Musiker fühlten sich aber wohl, trotz heftigen Gewitters unmittelbar vor dem Konzert lieferten sie ein Feuerwerk ab, das allen in bester Erinnerung bleiben wird.
Aus den Ozark Mountains in Arkansas kommen sie, Still On The Hill, Donna ist mit der Musik von Bob Wills und Hank Williams aufgewachsen, Kelly hat klassische Musik studiert und als er im Januar 1997 vom Tod seines Idols Townes Van Zandt erfahren hatte, sogar ein Lied geschrieben, das ihm gewidmet war: “Could I Borrow That Arrow”, könnte ich den Pfeil mir ausleihen, der Dein verwundetes Herz durchbohrt hat, der Dich Lieder schreiben ließ, die Dich einmalig machten? Kurzgeschichten sind oft die Lieder von Still On The Hill, meist haben sie eine Botschaft wie “Du kannst die Toten nicht zurückbringen, also, weshalb weinst Du? Lebe besser Dein Leben, solange Du die Chance hast, es zu tun”. Ihr Vortrag ist natürlich und lebendig, bewegt und schön, zwingt zum Zuhören, eröffnet neue Welten.


