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Ryan Bingham: Mit neuem Album auf Tour in Deutschland

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Vom Rodeo-Reiter zum Oscar-gekrönten Star des Alternative Country: Ryan Bingham kommt mit seinen „Dead Horses“ und dem erfolgreichen neuen Album „Junky Star“ im November auf Tour nach Deutschland. Man darf sich freuen auf drei Abende zartbitterer bis erdig-rockiger Musik mit bildreichen Texten eines Singer-Songwriters, dessen stilles Charisma bereits in jungen Jahren unverwechselbar ist.

Vom Geheimtipp zum Oscar-Preisträger

Anfang des Jahres setzte der 29-jährige aus dem Südwesten der USA ein Ausrufezeichen. Seine melancholische Ballade „The Weary Kind“ aus dem Movie „Crazy Heart“ gewinnt als bester Filmsong den Oscar. Hinter sich hat er bereits viele Jahre in denen sich er als Jugendlicher alleine durch das Grenzgebiet des US-amerikanischen Südwestens schlägt und im Rodeozirkus arbeitet. Irgendwann ergreift er die Gitarre und lässt sich durch die Jukebox seines Onkels inspirieren. Er hört Bob Dylan, Bob Wills und Marshall Tucker und orientiert sich hin zu rockigem, erdigem Country-Folk.

Ryan BinghamEr wird von Lost Highway-Records entdeckt und seine Alben „Mescalito“ und „Roadhouse Sun“ bekommen viel Kritikerlob. Dennoch bleibt er aber außerhalb der Alternative Countryszene über lange Zeit so etwas wie ein Geheimtipp.

Dann schließlich die gückliche Fügung: T-Bone Burnett, Erfolgsproduzent und Spiritus Rector des Americana-Genre produziert mit ihm die Filmmusik zu „Crazy Heart“.

Zu dem Streifen um den heruntergekommenen Country-Sänger Bad Blake (Jeff Bridges) steuert Bingham mit seiner bereits in jungen Jahren gegerbten Stimme nicht nur einige Songs und das Leitmotiv „The Weary Kind“ bei, sondern tritt mit seinen „Dead Horses“ auch als Blakes Band auf. Der Erfolg ist überwältigend. Er gewinnt den „Golden Globe“ und den „Oscar“.

Chart-Erfolge mit neuem Album

Doch die Auszeichnungen und das Celebrity-Tamtam machen ihn nicht kirre, Bingham geht einfach wieder ins Studio und legt mit „Junky Star“ erneut ein starkes Album vor. Und diesmal ist auch der breite Publikumserfolg dar. „Junky Star“ kommt auf Platz 2 in den US-Country-Charts, auf Platz 8 unter den U.S. Billboard-Top Rock Albums und auf Platz 19 der U.S. Billboard 200.

Dabei ist „Junky Star“ alles andere als leicht konsumierbarer Country-Rock. Es enthält vor allem langsame und Midtempo-Stücke. Oftmals werden die Songs nur von seinem brüchigen Gesang, von seiner Gitarre und der Mundharmonika getragen und erinnern damit an den frühen Dylan. Der aber nur einer seiner musikalischen Vorbilder ist. Woody Guthrie, Steve Earle oder Townes van Zandt sind ebenfalls unschwer herauszuhören aus Binghams Musik, die aber längst ihre eigenen Konturen hat. Hin und wieder lässt er auch auf Junky Star, ähnlich wie auf „Roadhouse Sun“, seine „Dead Horses“ mal richtig los und dann rockt die Musik rauh und scheppernd. Sein Gesang ist anrührend, sein Mundharmonikaspiel kraftvoll und melodisch, sein Vortrag faszinierend. Bingham hat seinen Stil gefunden, steht heute schon als unverwechselbarer Solitär in der amerikanischen Musikszene da.

Thematisch kommt er seinen Vorbildern ziemlich nahe. Denn Bingham entwirft das Panorama eines Amerika in ungewisser Zeit, voller einsamer, wurzelloser oder gestrandeter Existenzen. Songs wie „Depression“, „The Wandering“ oder „Hard Worn Trail“ erzählen von der ständigen Bewegung: „On the road“ um zu überleben, auf der ständigen Suche nach Sinn, im steten amerikanischen Streben nach Glück. Binghams Lyrik ist anspruchsvoll, legt aber niemals Zuckerguss auf die Aussagen, vermeidet jedes effekthaschende Wortgeklingel.

Am Himmel des Albums ziehen fast durchgehend schwere, dunkle Wolken auf. „Ich wollte das Album (Junky Star) einfach halten und die Songs für sich selbst sprechen lassen. Ich denke, es ist weitaus düsterer als „Roadhouse Sun“, obwohl es gleichzeitig auch hoffnungsvoller ist“, erklärt Ryan den Unterschied zum Vorgängeralbum. Hört man die Songs, so scheint sich die Hoffnung vor allem auf den Umstand zu beziehend, dass die Menschen in ihrer Einsamkeit nicht alleine sind. Hoffnung steht hier für den Glauben, dass es am Ende doch Erlösung geben wird.

Produzent des Albums war nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei „Crazy Heart“ auch diesmal T-Bone Burnett. Die gegenseitige Wertschätzung treibt sie zu besonderen Leistungen an. „Ich habe viel Respekt vor T-Bone und seiner Arbeit und es war eine Ehre mit ihm gemeinsam im Studio stehen zu dürfen“, beschreibt Bingham sein Verhältnis zu Burnett.

Über Tourfreuden und Zukunftspläne

Auf die bevorstehende Tour und die Konzerte in Deutschland freut sich Bingham schon sehr. „Meine Frau ist aus Deutschland und ein Großteil ihrer Familie lebt noch dort. Ich schätze mich sehr glücklich, sie in den letzten Jahren so oft so oft besucht zu haben und ich freue mich darauf, mehr von dem Land zu sehen“, erklärt er. Ryans Frau Anna Axster ist Regisseurin und Autorin. Sie hat das Filmhandwerk in London erlernt und zeichnet für viele seiner Musikvideos verantwortlich.

Für den Künstler ist seine Familie das allerwichtigste. Feste Bindungen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit scheinen dem Musiker nach den harten Jahren in Kindheit und Jugend ein besonders dringendes Bedürfnis zu sein. So sind denn auch „The Dead Horses“ eine wichtige Bezugsgruppe für ihn. „Wir sind eher eine Familie, als eine Band. Wir sind gemeinsam schon viele Meilen gereist und haben einiges miteinander durch gestanden. Ich kann mir nicht vorstellen, mit einer anderen Band auf Tour zu gehen. Diese Jungs sind meine besten Freunde“, beschreibt er das Verhältnis zu Drummer Matthew Smith, seinem Bassisten Elijah Ford und dem Gitarristen Corby Schaub.

Sehr weit über die Tour und die nächste Platte hinaus denkt Bingham derzeit noch nicht. „Momentan genieße ich es einfach Musik zu machen und mit meiner Band auf Tour zu gehen. Ich freue mich schon sehr auf die Europa-Shows und ich bin sehr aufgeregt, dort öfter sein zu können. Ich werde wahrscheinlich bald anfangen, ein neues Album für das nächste Jahr aufzunehmen und dann werde ich weiter sehen.“

Ob wir ihn auch noch einmal in einem Film erleben können? „Wenn es ein inspirierender Film ist, dann ja“, will Ryan Bingham dies nicht ausschließen.

08. November in München, Backstage Club
09. November in Berlin, Comet
10. November in Köln, Underground

Junky Star
Titel: Junky Star
Künstler: Ryan Bingham & Dead Horses
Veröffentlichungstermin: 7. September 2010
Label: Universal
Format: CD

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Über Thomas Waldherr (513 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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