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Johnny Cash & Bob Dylan: Johnny Cash vs. Bob Dylan

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Truck Stop 2019

Zwar ist der Titel „Johnny Cash vs. Bob Dylan“ ziemlich dämlich, aber dafür liefert dieses Album eine interessante Zusammen- und Gegenüberstellung der Musik von Johnny Cash und Bob Dylan von Anfang der 1960er Jahre vor. Denn es ging gar nicht um ein Gegeneinander, sondern um ein Miteinander von zwei Künstlern, die aus ziemlich weit entfernten Bereichen der amerikanischen Gesellschaft stammten.

Der Baptist und arme Farmersohn aus dem tiefen Süden und der Sohn der jüdischen Mittelstandsfamilie aus dem hohen Norden des Landes, hatten ihre gemeinsamen Wurzeln in Country und Folk. Die 50 Songs zeigen dies bei aller Unterschiedlichkeit ihrer künstlerischen Ansätze doch deutlich auf.

Auch wenn es sich hier um eine scheinbar kostengünstig zusammengestellte Produktion aus dem Hause „Not Now Music Limited“ handelt, lotet diese Doppel-CD ein Feld aus, das wir liebend gerne mal von Sony/Legacy bearbeitet hätten. Eine Songzusammenstellung der beiden Columbia-Stars, die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Wurzeln von Cash und Dylan aufzeigt. Sorgsam editiert und kommentiert. Aber bislang gibt es das nicht.

Also müssen wir mit dem Vorlieb nehmen, was wir haben. Die Dylan-Songs des vorliegenden Albums speisen sich aus Liveaufnahmen von 1961 und den Sessions für Dylans Debütalbum 1962, die Cash-Songs aus dem Zeitraum 1957-62. Während Cash zu der Zeit mit „I Still Miss Someone“ und „Big River“ große Country-Hits schrieb, sang er aber auch traditionelle Countrysongs wie „In The Jailhouse Now“ von Jimmie Rodgers oder dunkle Folk-Klassiker wie „Delia’s Gone“ oder den sehr drastischen „Transfusion Blues“.

Dylan wiederum singt neben seinen eigenen Folk- und Protestsongs wie „Song To Woody“ oder „The Death Of Emmett Till“ auch Traditionals wie „Man Of Constant Sorrow“ und „Pretty Peggy-O“, die auch Eingang in den Kanon der Country- oder Bluegrassmusik gefunden haben. Und dies auf eine ganz eigene vorher nicht gehörte Weise. Das war keine glatte Entertainment-Stimme. Die Stimme klang tatsächlich so uralt wie die Folksongs sind, die Dylan hier intoniert.

Kein Wunder dass Cash, der nach eigener Aussage Anfang der 1960er Jahre sich sehr viel mit Folk auseinander gesetzt hatte, auf den Wunderknaben aus Minnesota aufmerksam wurde. Er ließ sich von Dylan beeinflussen und veröffentlichte in den 1960ern mit „Ride This Train“, „Blood, Sweat And Tears“, „Bitter Tears: Ballads of the American Indian“ und „Sings the Ballads of the True West“ u.a. vier Konzeptalben, die sich mit dem amerikanischen Phänomen Eisenbahn, dem amerikanischen Arbeiter, dem Schicksal der Indianer und der Geschichte des „Wilden Westens“ auseinandersetzten. Johnny verließ damit ganz bewusst die eingetrampelten Pfade der Nashville-Country-Unterhaltungsmusik.

Dylan wiederum eignete sich Ende der 60er die Countrymusik an und wurde dabei von Cash tatkräftig unterstützt. Bei gemeinsamen Sessions entstammten Aufnahmen, die leider ebenfalls bislang auf eine offizielle Veröffentlichung warten müssen. Johnny Cash und Bob Dylan haben sehr viel Grundlegendes für die gegenseitige Akzeptanz von Country, Folk und Rock geleistet. Auch daran sollte man denken, wenn Teile des heutigen Nashville-Mainstreams nichts anderes als der gute alte Mainstream-Rock sind. Nicht umsonst stellen Rockstars wie Sheryl Crow oder Melissa Etheridge ihre Nähe zum Country-Lager heraus.

„Johnny Cash vs. Bob Dylan“ erhält neben den 50 Songs auch Liner Notes von Helen Akitt, die zwar nicht sehr in die Tiefe gehen, aber noch einmal sehr solide das Verhältnis der beiden Ausnahmekünstler schildern.

Fazit: Nicht der ganz große Wurf, aber ein solides Produkt für alle, die mehr über die künstlerische Beziehung von Cash und Dylan wissen wollen und die direkte Gegenüberstellung zu schätzen wissen. Für Sammler und Forscher!

Das aktuelle Album Johnny Cash vs. Bob Dylan – Bestellen, Format, VÖ. und Label:

 
Johnny Cash vs. Bob Dylan
 
Künstler / Albumtitel: Johnny Cash vs. Bob Dylan
Format / Label / Veröffentlicht: Doppel-CD & Digital (Notnow, 2014)
 
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Trackliste: CD 1

01. Blowin‘ In The Wind (Broadside Show, 1962)
02. Delia’s Gone
03. Baby, Let Me Follow You Down
04. In The Jailhouse Now
05. Fixin‘ To Die
06. Five Feet High & Rising
07. Standing On The Highway (Folksinger’s Choice, 11.03.1961)
08. Busted
09. Talkin‘ New York
10. Transfusion Blues
11. In The Pines (Carnegie Chapter Hall, NYC, 4.11.1961)
12. The Rebel – Johnny Yuma
13. House Of The Rising sun
14. The Smiling Bill McCall
15. Mixed-Up Confusion
16. I Still Miss Someone
17. Talkin‘ Bear Mountain Picnic Massacre Blues (Carnegie Chapter Hall, NYC, 4.11.1961)
18. The Big Battle
19. In My Time Of Dyin‘
20. Bonanza
21. Song To Woody
22. Remember The Alamo
23. The Girl Left Behind (Folk Song Festival, 29.10.1961)
24. I’m Free From The Chain Gang Now
25. See That My Grave Is Kept Clean

 
Trackliste: CD 2

01. Highway 51
02. Don’t Take Your Guns To Town
03. Man Of Constant Sorrow
04. In Them Old Cottonfields Back Home
05. The Death Of Emmett Till (Broadside Show, 1962)
06. Tennessee Flat-Top Box
07. Freight Train Blues
08. I Walk The Line
09. Sally Gal (Wnyc Radio Studio NYC 29.10.1961)
10. Girl In Saskatoon
11. You’re No Good
12. What Do I Care
13. Poor Lazarus (Saturday Of Folk Music, 29.07.1961)
14. Lost On The Desert
15. Gospel Plow
16. Hank & Joe & Me
17. (Naomi Wise) Omie Wise (Riverside Church NYC, 1961)
18. Accidentally On Purpose
19. Corrinna, Corrinna
20. Big River
21. Pretty Peggy-O
22. So Doggone Lonesome
23. 1913 Massacre (Carnegie Chapter Hall, NYC, 4.11.1961)
24. Frankie’s Man, Johnny
25. He Was A Friend Of Mine (Riverside Church NYC, 1961)

 
Rob Georg: Weitere Informationen hier klicken!
Über Thomas Waldherr (513 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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