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Bob Dylan: Fallen Angels

Cooles Crooning mit feiner Bandunterstützung, die Überraschungen bleiben diesmal aber weitgehend aus.

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Bob Dylan (Fallen Angels) Bob Dylan, Fallen Angels - Bildrechte: Columbia, Sony Music

Die „Cowboy Band“ spielt wieder Standards des „Great American Songbook“ und Bob Dylan croont dazu. Nach dem Vorgänger-Werk „Shadows In The Night“ nun also Sinatra-Album, die Zweite! Auch wenn diese Richtung dem einen oder anderen Dylan-Afficionado nicht gefällt, muss man sich mit den Werken des Meisters immer wieder neu auseinandersetzen. Also Dylans neues, 37. Studioalbum Fallen Angels angehört und los geht’s.

„Melancholy Mood“ heißt einer der auf diesem Album enthaltenen Titel. Es könnte aber auch der Obertitel des gesamten „Sinatra-Projektes“ sein, denn Dylan hat sich ja nicht Songs ausgesucht, die freundlich, fröhlich, beschwingt und kraftvoll daherkommen, sondern verhalten bis langsam sind, die mal bitter-zart, mal traurig, mal einsam, mal richtig verbittert klingen. Wieder hat das Album außer einer Ausnahme keinen richtigen Tempowechsel, aber „Skylark“ kommt auch etwas aufgeräumter daher und „That Old Black Magic Called Love“ legt da fast schon ein draufgängerisches Tempo vor und ist u.a. auch deswegen die – sprich die einzige – Überraschung des Albums. Perfekt das Arrangement, wunderbar der Jazz-Groove, den die Band hier gefunden hat, sensationell Dylans Gesang.

Und doch wird Dylan bei aller Sanftheit im Gesang keineswegs harmlos. Nein, er bleibt der Meister der Doppelbödigkeit. Der Albumtitel „Fallen Angels“ würde natürlich zu dem Sujet der gefallenen Frau passen, zu den Filmen der „Schwarzen Serie“, an die sich auch sein Video zu „The Night We Called It A Day“ von „Shadows In The Night“ angelehnt hat. Aber nein, das Coverfoto des neuen Albums führt uns auf eine andere Fährte. Dylan bleibt im Gangstergenre der 1930er und 1940er Jahre. „Fallen Angels“ ist ein Spielkartentrick und Dylan ist und bleibt ein Trickster.

Dem Effekt des sonoren Dylan-Croonings aber – er ist in diesen Tagen einfach stimmlich so stark wie schon seit vielen Jahren nicht mehr – über feinen Swing-Arrangements ist durch dieses neue Album kaum noch Neues hinzuzufügen. Die Band und Dylan haben mit „Shadows In The Night“ bereits bewiesen, dass sie es können. Am stärksten wirken diese Songs ohnehin in der Abwechslung, im Kontrapunkt oder in der Korrespondenz mit den anderen Songs seines Spätwerks im Konzert.

Das, was Dylan derzeit am meisten beschäftigt, ist der Verlust, die traurige Liebe, die Endlichkeit. Und diese Gedanken und Emotionen eines alternden Mannes bringt er zusammen mit dem Aufbruch in ein für ihn neues musikalisches Idiom bzw. eine Ausdrucksform, die er in seiner bisherigen Karriere nur ganz vereinzelt gewählt hat. Nun also auf zwei Alben hintereinander. Es sind gleichsam seine frühesten musikalischen Kindheitserinnerungen, neben denen an die Grand Ole Opry und Hank Williams. Dem – und der hat ja auch ein paar schöne traurige Lieder im Vermächtnis – hat er bereits vor ein paar Jahren Tribut gezollt.

Tod, Vergänglichkeit, Verlust und Gewalt waren auch schon die beherrschenden Themen seines Albums „Tempest“, das zusammen mit den Songs der beiden Sinatra-Platten das Gerüst seiner aktuellen Live-Darbietungen darstellt. Zwei Songs von „Fallen Angels“ – „That Old Black Magic Called Love“ und „All Or Nothing At All“ – haben denn bereits auch ihre Live-Premieren erfolgreich absolviert.

Und so bestaunen wir auch weiterhin den Live-Künstler, großartigen Arrangeur und mittlerweile so sanft säuselnden Crooner Bob Dylan und hoffen, dass er – der uns so großartige Songs geschenkt hat und am 24. Mai 75 Jahre alt wird – sich nochmals dazu aufrafft, eigene Lieder zu schreiben und zu veröffentlichen.

Fazit: Cooles Crooning mit feiner Bandunterstützung, die Überraschungen bleiben diesmal aber weitgehend aus. Prädikat: He did it once again!

Bob Dylan – Fallen Angels: Das Album

Bob Dylan - Fallen Angels

Titel: Fallen Angels
Künstler: Bob Dylan
Veröffentlichungstermin: 20. Mai 2016
Label: Columbia
Vertrieb: Sony Music
Laufzeit: 38:36 Min.
Format: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 12
Genre: Great American Songbook

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Trackliste:

01. Young At Heart
02. Maybe You’ll Be There
03. Polka Dots And Moonbeams
04. All The Way
05. Skylark
06. Nevertheless
07. All Or Nothing At All
08. On A Little Street In Singapore
09. It Had To Be You
10. Melancholy Mood
11. That Old Black Magic
12. Come Rain Or Come Shine

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Über Thomas Waldherr (502 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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