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Forever Words – The Music: Johnny Cash’s Gedichte wurden vertont!

Bernd Wolf's persönlicher Blick auf das Ausnahme-Album "Forever Words - The Music", das Gedichte des Man in Black, Johnny Cash enthält. Vertont von den Größen des amerikanischen Musikbusiness.

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Johnny Cash - Forever Words Johnny Cash - Forever Words. Bildrechte: Sony Music

Es war das Jahr 2016, da kündigte sich ein Buch an, das sofort mein großes Interesse weckte. Selbstredend, ging es doch um Johnny Cash. In dem immensen Fundus, den vor allem John Carter Cash nach dem Tod seiner Eltern in einem versteckten Raum entdeckte, fanden sich auch Texte aller Art, darunter Gedichte – Gedichte, die völlig unbekannt waren.

Aus diesen Gedichten (oder einem Teil davon) wurde das damals erscheinende Buch „Forever Words – The Unknown Poems“. Am 10. März 2017 nun las ich einen Artikel, in dem eine Kooperation zwischen Brad Paisley und Johnny Cash für Paisleys kommendes Album angekündigt wurde. Paisley hatte das Gedicht „Gold All Over The Ground“, das Johnny Cash im Jahr 1967 für June Carter geschrieben hatte, mit einer Melodie versehen und aufgenommen.

Im Rückblick war das im Blick der Öffentlichkeit der Startschuss für ein außergewöhnliches Album, das jetzt erschienen ist. Forever Words – The Music ist der Titel dieses Projektes, dass John Carter Cash ins Leben gerufen und zusammen mit Steve Berkowitz produziert hat. Mit dem letzten Gedicht, dass der Man in Black kurz vor seinem Tod verfasste, beginnt das Album. „Forever“ heißt das Gedicht, das Cashs langjähriger, enger Freund Kris Kristofferson sprechend vorträgt, während Willie Nelson dazu begleitend Cashs Komposition „I Still Miss Someone“ auf der Gitarre instrumental spielt.

Ich will es vorweg sagen: ich bin kein grosser Freund von Kacey Musgraves. Ihr Ehemann jedoch ist wohl Cash-Fan und kannte aus einem Fan Memorabilia Buch („Cash – An American Man“, von Bill Miller, 2004, S. 70) das Gedicht „To June This Morning“ aus dem Jahr 1970 und begann wohl damals, sich eine Melodie zu diesem ihn faszinierenden Gedicht auszudenken. John Carter Cash kannte dieses Gedicht angeblich nicht und war sowohl von diesem Gedicht als auch von der Geschichte Kellys sehr ergriffen. In diesem Licht betrachtet erklärt sich, warum Kacey Musgraves, von der sich sonst kein Bezug zu Cash herstellen lässt, hier vertreten ist. Ich persönlich finde die Geschichte faszinierender als die Aufnahme.

Über Brad Paisley hatte ich ja bereits gesprochen. „Gold All Over The Ground“ ist hier nicht in der Version vertreten, die im vergangenen Jahr auf dem Paisley Album „Love And War“ zu hören war. Die Version von „Love And War“ finde ich toll, diese hier noch mal besser. „Rusty Cage“ war eines der überraschendsten Cover, das Cash für American Recordings aufnahm. Nach anfänglichen Problemen mit dem Song, den der im letzten Jahr verstorbene Soundgarden Sänger Chris Cornell geschrieben hat, brachten Rick Rubin und Marty Stuart Cash auf den richtigen Weg. Nun hat Chris Cornell, kurz vor seinem tragischen Selbstmord, aus einem Gedicht von Cash einen Song gemacht. „You Never Knew My Mind“ stammt aus dem Jahr 1967. Musikalisch natürlich anders, und dann doch im Kanon dieses Albums.

Ja, man könnte nun einfach so eine Zeile über „The Captain’s Daughter“ schreiben, ein Gedicht aus den 1950er oder 1960er Jahren, musikalisch umgesetzt von Alison Krauss und ihrer exzellenten Band Union Station (Gänsehaut beim Dobro von Jerry Douglas), aber das wäre dann doch zu oberflächlich. Jedem Cash Fan sollten einige Zeilen dieses Gedichtes bekannt vorkommen, denn Johnny Cash hat große Teile dieses Gedichtes später noch einmal verwendet. Daraus wurde der Song „No No No“, ein Duett von Johnny Cash und June Carter vom Album „Carryin‘ On With Johnny Cash And June Carter“ von 1967. Alison Krauss bedient sich einer eigenen Melodie und zeigt alle ihre Stärken und die ihrer Band auf. Ein überragender Song ist daraus geworden.

T Bone Burnett produzierte den Soundtrack zum Film „Walk The Line“. Auf „Forever Words“ zeigt er, wie er mit dem Thema „Cash“ umzugehen versteht. Sein „Jellico Coal Man“ ist ein weiterer Top Track dieses Albums. Er klingt so, als wäre er auf Cash und Rubins Mist gewachsen. Erstaunlich, wie dicht Burnett musikalisch an Cash herankommt! „The Walking Wounded“, ein düsteres Gedicht aus den 1970er Jahren, setzt Rosanne Cash perfekt um. Vielleicht ist dieser Song der beste Beitrag auf diesem Album. Ein Video dazu, gefilmt im und am Farmhaus der Familie Cash in Dyess, Arkansas, unterstützt die düsteren Bilder, die der Songtext zeichnet.

John Mellencamp, der in den letzten zwei Jahren oft mit Carlene Carter gearbeitet hat und von Cash zu den zehn besten Songwritern überhaupt gezählt wurde, beeindruckt hier ebenfalls. „Them Double Blues“, ebenso wie „To June This Morning“ und „June’s Sundown”, zu dem wir noch kommen, nicht im Buch „Forever Words“ enthalten, präsentiert sich mit Mellencampscher Musik als rollender, mitreißender Country Song. Und auch Jewel, von der ich lange nichts gehört habe, überzeugt mit „Body On Body“, einem Gedicht aus den 1980er Jahren, das mich darüber nachdenken lässt, warum Johnny Cash so etwas schrieb, zu dieser Zeit.

Elvis Costello war kein Fremder im Umfeld Cashs. Aus dem Umfeld von Nick Lowe, Ex-Ehemann von Carlene Carter, ist der Weg nicht weit. Cash coverte 1987 Costellos „The Big Light“ von dessen grandiosem Album „King Of America“, nun bringt Costello eine Melodie zu dem wunderschönen Liebesgedicht „I’ll Still Love You”. Leider enttäuscht mich dieser Song. Costello kann für mich deutlich besser. Sehr schade! June’s Tochter Carlene Carter vertont das bereits erwähnte Gedicht „June’s Sundown“. Sehr bewegend ist das! Für mich wurde und wird Carlene Carter (Johnny Cash nannte sie „Sparkle“) deutlich zu weit unter Wert gehandelt. Sie ist, wie sie gerne selbst sagt, „a third generation Carter“, also ein Mitglied der Carter Family in dritter Generation, und sie ist der aktivste Arm dieser Generation. Ihre Familie vertritt sie hier prächtig!

Das Bluegrass Duo Dailey & Vincent präsentiert mit „He Bore It All“ einen Southern Bluegrass Gospel mit viel Dampf. Zu viel Dampf in nachdenklichem Umfeld, nach meiner Meinung. Immerhin bringen sie ein Thema in dieses Album hinein, das für Johnny Cash immer Pflichtprogramm war, aus Überzeugung. I’m With Her ist ein Folk Trio, bestehend aus drei jungen Damen, die seit 2014 zusammen um die Welt touren. Sehr reduziert, mit Violine, Banjo und Akustikgitarre und ihren drei Stimmen vertonen sie das ungewöhnliche Liebesgedicht „Chinky Pin Hill“ aus den 1970er Jahren.

Robert Glasper, mir bis dato völlig unbekannt, ist ein farbiger Jazz Pianist aus Texas. Hier wird er unterstützt von Ro James und Anu Sun, und, wie man gegen Ende des Songs „Goin‘, Goin‘, Gone“, einem ebenfalls düsteren Gedicht aus den 1990er Jahren, dass sich mit dem Thema „Drogen“ auseinandersetzt, erfahren und deutlich hören kann, u.a. Johnny Cash, der mit Auszügen aus einem Interview eingespielt wird. Musikalisch finde ich, bei allem Respekt vor den Initiatoren des Albums und dem Künstler, diesen Beitrag in diesem Umfeld völlig überflüssig und unpassend.

Die Jayhawks vertonen das Gedicht „What Would I Dreamer Do“ und liefern damit einen der Füller auf diesem Album, bevor mit dem letzten Song noch einmal mit einem absoluten Highlight ein würdiger Abschluss gefunden wird. Jamey Johnson, der großartige Songwriter aus Alabama, von dem wir alle wohl gerne deutlich mehr hören möchten (und sollten!), lässt in seiner ihm eigenen Art das grandiose Gedicht „The Spirit Rider“ erklingen, ein Liebesgedicht aus den 1980er Jahren, dass wunderschön und mystisch ist und das Album in grandioser Weise abrundet.

Ein großartiges Album ist es geworden, dieses Album, bei dem ich sehr unsicher war, wie dicht es an Johnny Cashs Musik(alität) wohl herankommen mag. Leider hat es für mich, wie erwähnt, einige, zum Glück wenige, Ausfälle. Einige Künstler sollen gefragt worden sein, ob sie hier mitwirken möchten, haben diese Anfrage aber mit „nein“ beantwortet. Ich hätte mir Steve Earle und vor allem Marty Stuart auf diesem Album gewünscht, vielleicht auch Rodney Crowell. John Carter Cash wird wissen, warum sie nicht dabei sind. Mir ist nicht bekannt, wer alles gefragt wurde. Es war nicht zu erwarten, dass auf diesem Album das berühmte „boom-chicka-boom“, Cashs Trademark Sound, zu neuen Ehren kommt. Und doch gibt es hier Tracks, die so ganz anders klingen als der Man In Black, und die doch Nähe zu dieser Legende zu erzeugen wissen. Sicherlich wäre Johnny Cash stolz darauf, dass Künstler sich in dieser Form seinen Gedichten zuwenden. Und trotzdem beschäftigt mich abschließend eine Frage: Hätte Johnny Cash gewollt, dass diese Gedichte Songs sind, wären sie dann Gedichte geblieben oder Songs geworden?

Johnny Cash – Forever Words: Das Album

Johnny Cash - Forever Words

Titel: Forever Words – The Music
Künstler: Johnny Cash
Veröffentlichungstermin: 6. April 2018
Label: Legacy (Sony Music)
Format: CD & Digital
Laufzeit: 57:00 Min.
Tracks: 16
Genre: Country, Folk, Americana

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Trackliste: (Johnny Cash – Forever Words)

01. Forever, I Still Miss Someone – Kris Kristofferson und Willie Nelson
02. To June This Morning – Ruston Kelly und Kacey Musgraves
03. Gold All Over The Ground – Brad Paisley
04. You Never Knew My Mind – Chris Cornell
05. The Captain’s Daughter – Alison Krauss And Union Station
06. Jellico Coal Man – T. Bone Burnett
07. The Walking Wounded – Rosanne Cash
08. Them Double Blues – John Mellencamp
09. Body On Body – Jewel
10. I’ll Still Love You – Elvis Costello
11. June’s Sundown – Carlene Carter
12. He Bore It All – Daily & Vincent
13. Chinky Pin Hill – I’m With Her
14. Goin‘, Goin‘, Gone – Robert Glasper feat. Ro James und Anu Sun
15. What Would I Dreamer Do? – The Jayhawks
16. Spirit Rider – Jamey Johnson

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