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Er ist ein Typ, der sofort auffällt, mag er auch eher von zurückhaltender Natur sein: Zum einen ragt Mark Bender allein schon mit seinen fast zwei Metern Körpergröße aus der Masse heraus; zum anderen hat er über die Jahre – der amerikanischen Country- und Singer/Songwriter-Tradition eng verbunden – seine ganz eigene musikalische Handschrift entwickelt.
Der Applaus seiner stetig anwachsenden Fangemeinde sowie jede Menge Auszeichnungen geben Bender recht, dem “sanften Riesen”, wie viele ihn nennen. Sein Erfolg als Sänger und Autor lässt sich nicht zuletzt darauf zurückführen, dass seine Songs zwar auch, aber eben nicht nur von der Liebe und großen Gefühlen handeln. Ihn als oberflächlichen Schlagersänger abzutun, nur weil er auf Deutsch singt, ist also nicht angebracht. Er selbst findet es auch durchaus erstrebenswert, dass sich in Texten nicht immer nur Liebe auf Triebe reimt.”
Es waren einst die Reflexionen des Alltags, die kleinen Geschichten und Impressionen, die den Charme der Country Music ausmachten. Nur wenig ist davon im heutigen kommerziellen Trubel dieser Musik davon übrig geblieben. Einer, der an der Tradition des Geschichtenerzählens noch festhält, lebt ausgerechnet in Deutschland. Es ist der Sänger, Gitarrist und Komponist Mandy Strobel, der unter Amerikanern aufgewachsen ist und ein feines Gefühl für die Kleinigkeiten des Lebens mitbringt.
Zwischen Oktober 2009 und April 2010 hatte sich Mandy immer wieder im Creek Studio in Nashville aufgehalten und dort zusammen mit dem Musiker und Produzenten Brent Moyer dieses neue Album produziert, das durch einen feinfühligen transparenten Laid-Back-Sound fasziniert. Mandy Strobel selbst Gesang und Rhythmusgitarre, während Brent Moyer diverse Gitarren, Dobro und Bass bedient. Als Duettpartner findet man in dem einen oder anderen Stück Katja Kaye und Joe Sun. Die Texte stammen von Ron Davis, die Musik dazu hat Mandy geschrieben.
Wie kommt man als junge, hochtalentierte Sängerin und Musikerin aus Deutschland auf die Idee, mit einem Musikstil erfolgreich sein zu wollen, der hierzulande lediglich ein Dasein als Liebhaber-Genre fristet – wie Country? Im Falle von Meg Pfeiffer war es – ganz klassisch – ein USA-Aufenthalt, der ihre Begeisterung für die ur-amerikanischste aller US-Musikstile weckte.
Doch – ganz unklassisch – war es weniger die eigene Faszination für den Sound, die Kultur und den Lifestyle, der sie auf den Geschmack brachte, sondern vielmehr der unmissverständliche Hinweis auf Country-Eignung aus berufenem Munde. “Während meines einjährigen Aufenthalts in Colorado kam ich zum ersten Mal unmittelbar mit Countrymusic in Berührung”, erinnert sich Meg, “ich sah mir Rodeos an, fing an wie ein Cowboy zu sprechen und machte auch ein paar Auftritte – und viele, die mich dort singen hörten, behaupteten, ich hätte eine Country-Stimme …”
Einundachtzig Jahre alt ist er geworden, jener Mann, der es vom erfolgreichen Sänger und Entertainer zu einem ebenso erfolgreichen Geschäftsmann und Unternehmer gebracht hat. Im Februar 2010 war er in die Country Music Hall of Fame gewählt worden. Die formelle Aufnahme in die Ruhmeshalle der Country Music hat er nicht mehr erleben dürfen, die sollte erst im Oktober diesen Jahres stattfinden. Eine erstaunlich lange und erfolgreiche Karriere war ihm vergönnt, die mit dieser höchsten Auszeichnung eine verdiente Würdigung fand.
Jimmy Ray Dean stammte, wie so viele Country Stars, aus dem Bundesstaat Texas. Auch wenn er die meiste Zeit seines Lebens nicht dort lebte, seine Heimat hat Dean nie vergessen. Noch im Jahre 2008 stiftete er einer Schule in seinem Geburtsort Plainview die satte Summe von 1 Million Dollar. Für die meisten seiner Fans ist die mehr gesprochen als gesungene Ballade “Big Bad John” der größte Erfolg seiner Karriere geblieben. Jene Geschichte von dem hünenhaften Bergarbeiter John, der zwar einen schlechten Ruf hatte, doch das Herz auf dem rechten Fleck. Bei einem Grubenunglück setzt er sein Leben ein (und verliert es) damit seine Kameraden gerettet werden können. Um diesen Song, der 1961 satte fünf Wochen an der Spitze der Country Charts stand, ranken sich zahlreiche Anekdoten. Dean selbst äußerte einmal, er habe es in einer guten Stunde auf dem Weg nach Nashville geschrieben, aus reiner Not, denn ihm habe noch ein Song für die Session gefehlt …
Es ist etwas ruhiger geworden um diesen Künstler, der sich Anfang der 1990er Jahre ganz weit nach oben auf der Beliebtheitsskala gearbeitet hatte. Gleich seine erste erfolgreiche Single mit dem Titel “You’ve Got To Stand For Something” verpasste ihm das Image, dem er bis in die Gegenwart hinein gerecht wird. Als Mann aus der arbeitenden Mittelklasse Amerikas war es genau die Botschaft, die seine Mitmenschen gern hörten.
Tippin impfte ihnen ein, für das einzustehen, woran sie glauben. Zu versuchen, seinen Traum zu verwirklichen, sich nicht unter kriegen zu lassen. Es war eine Art Lebensmotto, dem er selbst auch versucht gerecht zu werden. Aaron Tippin gibt seinem Publikum das Gefühl, einer von ihnen zu sein, nein, er ist eine von ihnen. Als sein “You’ve Got To Stand For Something” veröffentlicht wurde, hatte er Glück, denn zahlreiche seiner Landsleute kämpften als Soldaten im Golfkrieg. Für sie wurde der Song so etwas wie eine Hymne und für Tippin das Sprungbrett in seine Karriere.
1989 – in Nashville startet ein neues Plattenlabel: Arista Nashville. Der erste Künstler, den das Label unter Vertrag nimmt, ist ein noch völlig unbekannter Country-Boy aus Georgia namens Alan Jackson. Seit 1989 bürgt der Name Jackson für traditionelle Country Music – unbeirrt bis in die Gegenwart. Seine erste Single “Here In The Real World” klettert Anfang 1990 bis auf Platz 3 der Charts. Der zweite Titel “Wanted” wiederholt diesen genialen Streich. Sein erstes Album wird vergoldet – eine Sensation für ein neues Label mit einem neuen Künstler.
Ein wenig später in Deutschland – am Nürburgring findet 1990 bereits der fünfte Truck Grand Prix statt. Musikalisch begleitet wird das Spektakel mit Country Music. Eine ganze Reihe Acts unterhalten das Wochenende über mehr als 100.000 Besucher mit dieser Musik. Mit dem Team des Offenen Kanals Dortmund bin auch ich am Ring. Neben den einheimischen Interpreten interessieren wir uns besonders für zwei Gäste aus den USA: Rattlesnake Annie und Alan Jackson.
T-Bone Burnett ist Musiker, Produzent, Soundtrackgenie – ein Künstler auf dem Höhepunkt. Der Mann ist gleichsam der König Midas der amerikanischen Musikproduzentengilde. Was er in die Hand nimmt, wird veredelt, wird vergoldet. Künstlerisch und kommerziell. Zuletzt half er Jakob Dylan und Willie Nelson dabei, ihre Art von Country Music zu definieren. Daneben schafft er es immer wieder, kongeniale Film-Soundtracks zu entwerfen. Er war der Vater des Überraschungscoups und Millionensellers “Oh Brother, Where Art Thou”, der Country und Old Time Music zurück ins Bewusstsein von Publikum und Musikern brachte.
Sein Soundtrack zu “Walk The Line” schaffte den richtigen musikalischen Spannungsbogen für das gelungene Johnny Cash-Biopic. Und seine Filmmusik zu “Crazy Heart” und die Auswahl ihres Protagonisten Ryan Bingham zeigte sein großes Können im Aufspüren von authentischen Americana-Künstlern auf. T-Bone Burnett ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Grund genug, hier einmal seine Geschichte zu erzählen.
In den Charts spielt sie inzwischen keine Rolle mehr – das ist schade. Vermutlich, weil sie ganz bewusst ihren eigenen musikalischen Weg gesucht, gefunden hat und ihn konsequent geht – das ist gut so. Wenn im Radio schon mal ein Country-Song gespielt wird, dann ist Mary Chapin Carpenter immer noch oft genug erste Wahl. Heute wie gestern ist sie eine beeindruckende Persönlichkeit, die sich nicht scheut, für das einzustehen, was ihr wichtig ist.
Ich erinnere mich lebhaft an ein Gespräch mit ihr, das ich vor gut 20 Jahren mit ihr hatte. Vor mir saß eine aparte, junge Sängerin, eine moderne, selbstbewusste Frau. Langes Blondhaar umrahmte ein offenes Gesicht, aus dem mich wache Augen interessiert anschauten. Ohne mit ihr gesprochen zu haben, spürte ich, sie war anders als die meisten Country-Sängerinnen, das war kein “Nashville-Gesicht”.
Sehr viele Alben hat sie nicht gemacht im Laufe ihrer auch schon über 30 Jahre andauernden Karriere. Meist wurde dabei etwas Besonderes von ihr erwartet. Immer wieder ist es ihr gelungen, den Ansprüchen gerecht zu werden. Denen des Publikums und vor allem ihren eigenen Ansprüchen und Erwartungen. Das ist ganz gewiss nicht leicht, wenn man die Tochter einer Legende wie Johnny Cash ist. Die Musik-Geschichte ist gespickt mit Beispielen, bei denen es nicht geklappt hat. Nur selten schaffen es Kinder von Superstars, im gleichen Metier ebenfalls zu Stars zu werden. Rosanne Cash ist sozusagen das Gegenbeispiel. Sie wurde zum Country-Star und ist musikalisch dennoch nicht mit ihrem Vater zu vergleichen.
Immer wieder testet sie Randgebiete aus und sieht sich zwangsläufig auch heftiger Kritik ausgesetzt, sie würde die Wurzeln verlassen, zu weit abdriften. Es hat ihr erkennbar nichts ausgemacht, denn einen festen Willen hatte sie schon als Kind. Rosanne Cash wollte gar nicht ins Fahrwasser ihres Vaters und schon gar nicht deshalb erfolgreich sein, weil sie seine Tochter ist.
Seit vier Jahrzehnten führt die Gruppe um Bandleader Ray Benson die Tradition des Western Swing im Geiste von Genrevater Bob Wills fort. Dessen Musik begeisterte den mittlerweile 59-jährigen Benson derart, dass er bis heute mit seiner Truppe – in über die Jahre stets wechselnder Besetzung – quer durch die USA reist und zum Tanz aufspielt. Grund genug, um die Geschichte dieser musikalischen Dauerbrenner einmal etwas genauer zu beleuchten.
Prolog
Die Geschichte des Western Swing beginnt in den dreißiger und vierziger Jahren als Bob Wills in Texas eine Spielart der Countrymusic entwickelt, die Western- und Hillbilly-Elemente mit dem Swing-Sound der Jazz-Bigbands kombiniert. Die Musik, die er und seine Texas Playboys spielen, wird zum Renner im ländlichen Süden und Südwesten der USA, da sie einen extrem mitreißenden Rhythmus und eine hohe Tanzbarkeit besitzt. Wills war bis in die 50er Jahre so etwas wie der Elvis Presley von Texas, Oklahoma und der Westküste. Ein echter Superstar. Mit dem aufkommenden Rockabilly, dem Rock’n'Roll und den Countryschlagern, die ab den 1950er Jahren produziert werden, gerät die Musik aber etwas in Vergessenheit.
Als Cindy Walker am 23. März 2006 in ihrer texanischen Heimat starb, verlor die Country Music eine ihrer profiliertesten Autorinnen. Schon in den 1940er Jahren war sie mit dutzenden Liedern überaus erfolgreich und brach damit in eine Männerdomäne ein. Sie blieb bis ins hohe Alter eine ungemein beliebte und von allen geachtete Persönlichkeit.
Geboren wurde Cindy Walker am 20. Juli 1918 in Mart unweit von Waco am Brazos River in Texas. Wie schon erwähnt, machte sie sich einen Namen als Verfasserin publikumsträchtiger Lieder, die sich nicht nur in der Country Music finden, sondern ihren Niederschlag im Entertainment überhaupt finden.
Man könnte ihn durchaus als “Wunderkind” bezeichnen. Nach seinen beiden erfolgreichen Alben “Mescalito” und Roadhouse Sun” ist dem 28-jährigen Ryan Bingham nun mit dem Ocscar-nominierten Filmsong “The Weary Kind” und der Mitwirkung am Soundtrack zu “Crazy Heart” endgültig der Durchbruch gelungen.
Vom Rodeo-Zirkus zum Musikbusiness
Eigentlich könnte auch seine Lebensgeschichte als Vorlage für einen Film dienen. Bingham streunte als Jugendlicher alleine durch das Grenzgebiet des US-amerikanischen Südwestens. Lebte mal hier mal dort, fand hin und wieder Zuflucht bei Verwandten. Über Wasser hielt er sich dabei durch die Mitwirkung bei Rodeo-Shows. Er ritt auf Bullen und übernachtete in seinem Truck. Zur Musik kam er durch die Jukebox in der Raststätte eines Onkels. Dort hörte er Bob Dylan, Marshall Tucker und Bob Wills. Ein Mariachi-Musiker aus der Nachbarschaft brachte ihm das Gitarrespielen bei und bald hatte er kleine Auftritte in Bars.
Mit “Lost Bound Rails” und “Wishbone Saloon” brachte er quasi im Selbstverlag zwei Alben heraus, ehe er bei Lone Star Music das Album “Dead Horses” veröffentlichte. Lost Highway Records – die Nashville Adresse für Alternative Country – wurde auf ihn aufmerksam und nahm ihn unter Vertrag. Mit “Mescalito” gab er sein Major-Label-Debüt, produziert wurde es von “Black-Crows”-Gitarrist Marc Ford.
Man hört oft ein Bedauern darüber, dass die Country Music unserer Tage – wieder einmal – zu sehr abdriftet in die lukrativen Pop- und Rock-Pfründe. Befürchtungen sind da, sie könnte irgendwann ganz weggespült werden. Auch ich gehöre zu denjenigen, die die Entwicklung bedauern, habe aber keine Befürchtungen um ihren Fortbestand. Dazu ist die Country Music im Kern zu vital. Die Geschichte zeigt, dass es fast turnusmäßig Selbstheilungsprozesse gegeben hat. Meist stellt sich ein Umdenken ein, wenn der Fan – der Kunde also – die gelbe Karte zeigt und deutlich macht, dass man dessen überdrüssig ist, was als “country” angeboten wird.
Bange muss es einem auch deshalb nicht sein, weil es nach wie vor Künstler gibt wie diesen Josh Turner. Jung, gut aussehend, mit reichlich Talent gesegnet und vor allem erfolgreich. Der junge Mann ist bemüht darum, so nah wie möglich bei den Wurzeln der Country Music zu bleiben und sie dennoch in einem modernen, attraktiven Kleid zu präsentieren. Das kommt an, das macht Mut.
Manchmal dauert’s länger – diese Erfahrung musste auch Joe Nichols machen. Das ist nichts Ehrenrühriges, denn wenn sich der Erfolg erst nach einer Durststrecke und harter Arbeit allmählich einstellt, wird er meist dauerhafter. Deshalb ist es nicht zu verstehen, warum in so manchem Bericht über Nichols das erste Album aus dem Jahre 1996 keine Erwähnung findet und man sein erstes Album für Universal South aus dem Jahre 2002 als sein Debüt bezeichnet.
Fakt ist, dass sich Nichols erst ab 2002 so richtig in Szene setzen konnte. Denn das Album enthielt die Single “The Impossible” (kletterte bis auf Platz 3 bei Billboard) und seine erste Nr. 1 “Brokenheartsville”. Das Album selbst wurde mit Platin ausgezeichnet. Seither gehört Joe Nichols zu den Stars der traditionelleren Country Music. Doch dazu war ein langer Anlauf mit so manchem Schlagloch zu bewältigen gewesen …
Jeff Bridges brilliert als in die Jahre gekommener Gitarren-Cowboy. Kongenialer Soundtrack von T-Bone Burnett und Stephen Bruton.
In den USA hat er bereits bei den Golden Globes abgeräumt, bei uns läuft er am 4. März an: “Crazy Heart” – die Geschichte eines heruntergekommenen Country-Stars. Jeff Bridges wurde für seine Verkörperung der Hauptfigur Bad Blake ebenso ausgezeichnet wieder Filmsong “The Weary Kind” von T-Bone Burnett und Ryan Bingham. Mit “Crazy Heart” ist dem Regisseur und Drehbuchautor Scott Cooper ein authentischer, lakonischer und tragikomischer Musikerfilm gelungen, der auch hierzulande nicht nur Countrymusicfreunde überzeugen wird.
Ein alter Wolf kämpft mit sich selbst
Schon seit einigen Jahren ist Bad Blake, einst überjubelter Stern am Country-Himmel, auf dem Weg nach unten, gefangen im ewigen Kreislauf zwischen Alkoholsucht und Misserfolg. Mittlerweile muss er sich mit Auftritten in den obskursten Spelunken begnügen. Doch mit der Journalistin Jean – gespielt von der hinreißenden Maggie Gyllenhaal – bekommt er eine neue Chance. Er verliebt sich in die alleinerziehende Mutter und die lässt sich auf ihn ein und nimmt sich seiner an. Wie der alte Wolf darum kämpft, wieder auf die Beine zu kommen, schildert Coopers Streifen ebenso unprätentiös wie berührend.
Starke Schauspielerleistungen
Der breiten Öffentlichkeit ist sie immer noch kein Begriff. Kenner und Insider hingegen schnalzen mit der Zunge, wenn ihr Name fällt. Was sie auch anpackt, es hat Qualität. In ihrem Haus finden sich 26 der begehrten Grammy Awards – keine andere Künstlerin hat bisher mehr bekommen. Ausgestattet mit soviel künstlerischem Talent, das für mindestens drei von uns “normalen” Menschen reichen würde, versteht sie es meisterlich, dieses Talent auch zu nutzen. Gerade mal 38 Jahre alt, gehört sie seit nun schon fast 25 Jahren zu den meistbeschäftigten und ebenso bewunderten Künstlerinnen aus Nashville. Sie bringt alle Eigenschaften für einen Superstar mit und ist dennoch bisher keiner geworden. Die Frage, warum nicht? Lässt sich leicht beantworten: Weil sie es gar nicht will.
Alison Krauss – eine ganz und gar ungewöhnliche Künstlerin. Seit dem 14. Lebensjahr ist die Musik ihr Beruf, ihre Karriere verlief bisher nur in eine Richtung – nach oben. Über ihr Privatleben ist nicht viel bekannt geworden, Skandälchen hatten in ihrem Zusammenhang keine Chance, ein Thema für die Regenbogenpresse war sie nie. Dafür umso mehr für die Fachpresse, die sie seit ihrem Auftauchen in der Szene mehr oder minder enthusiastisch feiert.
Wenn am 31. Januar 2010 die Grammies verliehen werden, so ist dies – ob er nun ausgezeichnet wird oder nicht – ein Höhepunkt in der Karriere von Jim Lauderdale. Jahrelang vor allem als Songwriter für Country-Größen wie George Strait oder die Dixie Chicks in Nashville geschätzt und begehrt, ist er in den letzten Jahren auch als Solokünstler und Produzent wahrgenommen worden und an drei nominierten Alben mitbeteiligt. Neben seinem eigenen Bluegrass-Album “Can We Get Any Closer?” sind dies George Straits Country-Album “Twang” als Co-Autor sowie Elvis Costellos aktuelles Album “Secret, Profane & Sugarcane”, als Mitglied von Costellos Band “The Sugarcanes”.
Die Musik lag in seiner Wiege
Die Wurzeln von Jim Lauderdale liegen in North Carolina. Dort wurde er am 11. April 1957 als Sohn eines Geistlichen und einer Musiklehrerin geboren. Die Musik wurde ihm damit wohl schon in die wie gelegt. Wie viele andere spielt er in einer Schulband (Schlagzeug!) und macht sich nach seinem College-Abschluß nach New York auf. Dort taucht er in die lokale Country- und Folkszene ein, widmet sich aber auch gleichzeitig der Schauspielerei. Über den Produzenten von Dwight Yoakam kommt er in Kontakt mit der Musicszene in Nashville. Dort legt er zwar das ein oder andere Album vor, aber es sind die Künste des Liederschreibens, die in der Music-City Anklang finden.
Am Neujahrstag 1953 starb Hank Williams. Eine neue Perspektive auf sein Werk eröffnet die CD-Box-Serie “Hank Williams – Unreleased Recordings”. Lange Jahre hatte Jett Williams – uneheliche Tochter der Country-Legende – dafür gekämpft, dass die Aufnahmen der “Mother’s Best”- Radio Shows ihres Vaters veröffentlicht werden durften. Im Jahre 2008 war es dann endlich soweit und förderte sensationelles zutage, 2009 erschien die zweite Box: Die beiden Zusammenstellungen zeigen einen Hank Williams, wie man ihn noch nie gehört hat.
Hank Williams-Kompilationen gibt es noch und nöcher auf dem Markt. In allen Preislagen. Mal mit mehr Tonqualität, mal mit weniger, mal mit mehr editorischer Sorgfalt, mal mit weniger. Doch die beiden 3-CD-Boxen “Unreleased Recordings” (2008) sowie “Revealed – The Unreleased Recordings” (2009) von der Firma “Time Life” sprengen den Rahmen, da sie die bisherigen Hörgewohnheiten völlig über den Haufen werfen. Durch die sensationelle Tonqualität, die auch die Qualität der offiziellen Plattenaufnahmen übertrifft, Colin Escott – der Hank Williams-Biograph schlechthin – schreibt in seinen vorzüglichen, reichhaltig bebilderten Liner-Notes, die Aufnahme- und Tonqualität sei besser, als bei den Originalaufnahmen von Hank Williams’ Plattenfirma. Und tatsächlich: Hanks bewegende nasale, klagende und schleppende Gesangsstimme hat man noch nie in dieser Brillanz und Reinheit gehört, sie erschließt sich in ihren Feinheiten und ihrer stimmliche Breite in einer neuen Dimension.
Ist Toby Keith‘s dreizehntes Studioalbum bemerkenswerter als sein zwölftes? Oder sein zehntes? Oder sein titelloses Debüt von 1993? Keith hat mal wieder die Ärmel hochgekrempelt, Shows gespielt, Songs geschrieben und ein Album aufgenommen, das in diesem Fall “American Ride” heißt. So macht er das seit sechzehn Jahren. Genau wie seine hart arbeitenden Fans, nimmt Keith seinen Job ernst. Er gibt alles, steht am nächsten Tag auf und schmeißt es noch mal um. Klar: nicht zufälligerweise ist er einer der besten im US-Showbusiness. Keith verdient seinen überdimensionalen Erfolg, weil seine Karriere ein Modell der Beständigkeit ist.
Sein 1993er Debüt schnellte auf die Nr. 1 der Heatseeker-Charts von Billboard. Seine darauf folgenden vier Alben erreichten mindestens die Top-10 der US-Countrycharts. Seit 1993 hat er in jedem Jahr einen Nr. 1-Hit in den Single-Charts verbucht. Und seit 2001 hat Keith mit jedem Album den Spitzenplatz der US-Country-Albumcharts erreicht. Aus 20 veröffentlichten Alben (4 davon Best Of) und 44 Singles stammen gerade mal 6 Songs nicht aus seiner Feder. Jedes Jahr also, seit 1993, hat sich Keith auf dem Erfolgsgipfel der Country Music blicken lassen. Und mit seinem 16. Studioalbum hat er es einmal wieder geschafft.
Aus den Schlagzeilen ist er schon lange raus, einmal abgesehen von seinem öffentlich ausgetragenen Streit mit der Grand Ole Opry. Wir haben es auch nicht mit dem berühmten Südstaaten-General zu tun (dessen richtiger Name lautet übrigens Thomas Jonathan) sondern mit dem Countrystar Stonewall Jackson. Es ist kein Künstlername, seine Eltern tauften ihren am 6. November 1932 in Tabor City, North Carolina geborenen Sprössling aus Verehrung für den legendären Haudegen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg auf diesen Namen.
Einen harten Weg hatte er zu gehen, ehe ihm zahlreiche Hits gelangen, über die sich 17 Jahre lang nicht nur seine Plattenfirma Columbia Records freute. Aber auch für ihn ging es dann wieder bergab. Er fand sich in jenem Abteil wieder, in dem sich die Großen von gestern und vorgestern auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen bzw. müssen. Wie gut, dass man sie wenigstens in der Grand Ole Opry nicht häufig aussortiert. Deren Mitglied war Jackson von 1956 bis hin zu eben jenem Streit …



